„gemaket to lub“: Mit der Schau „Lübeck 1500“ feiert sich die Hansestadt als Kunstmetropole im Ostseeraum

Der Bildersturm war verboten

Im Dom: Madonna mit der Sternenkrone (um 1460), Johann Wolt zugeschrieben.

Lübeck. Vor 500 Jahren, 1515, wurde in Lübeck das St. Annen-Kloster eröffnet - und 1531 mit Einführung der Reformation wieder aufgelöst. Vor 100 Jahren zog das St. Annen-Museum in die neu hergerichteten Gemäuer ein. Das Doppeljubiläum ist Anlass für eine großartig ausgestattete Sonderschau im Museumsquartier St. Annen und sechs Innenstadtkirchen.

Sie zeigt mit 140 Werken von 1460 bis 1540 die letzte Lübecker Blüte der „altgläubigen“ Kunst sowie Arbeiten, die unter den neuen protestantischen Bedingungen geschaffen wurden.

Lübeck war eine führende Hansemacht. Der Reichtum der Kaufleute bot ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung von Bildschnitzern, Malern und Goldschmieden. Sie hatten Kunden im gesamten Ostseeraum und statteten im Auftrag von Stiftern oder auf eigene Initiative die Kirchen Lübecks aus. Die Maler zum Beispiel stifteten das bemerkenswerte „Lukasretabel“ (1484). Die acht Gemälde dieses Altaraufsatzes zeigen Szenen aus der Geschichte des Evangelisten.

Auch auswärtige Künstler ergatterten Aufträge. Herausragend ist das so genannte „Greveraden-Retabel“. Der 1491 in Brügge gemalte Altaraufsatz wird Hans Memling zugeschrieben. Im Gegensatz zu den in Lübeck hergestellten Altaraufsätzen, deren Flügel mit Malerei geschmückt sind, während der Schrein Reliefs oder Vollplastiken aufweist, besteht er ganz aus Gemälden. Das Prunkstück, dessen frappierend „lebendig“ wirkende Mitteltafel die Kreuzigung Christi zeigt, war für die Kapelle der wohlhabenden Kaufmanns- und Ratsherrenfamilie Greveraden bestimmt.

Dass Kunst „made in Lübeck“ ein Exportschlager war, beweisen attraktive Stücke wie das aus teilvergoldetem Silber hergestellte „St. Georgs-Reliquiar“ (1503-1507). Berend Heynemann produzierte den eleganten Drachentöter für die Kaufmannsgesellschaft der „Schwarzen Häupter“ aus Riga. Laut Inschrift „gemaket to lub“ wurden auch die anmutig wie gefühlsbetont wirkende Madonna und die anderen Schnitzfiguren aus dem Hochaltarretabel (1512) der Prenzlauer Marienkirche. Deren Schöpfer ist unbekannt.

Mit der Einführung der Reformation wurde den in Lübeck ansässigen Künstlern die Geschäftsgrundlage entzogen. Wer an die von Luther verkündete Heilsgewissheit durch die von Christus zugesagte Gnade glaubte, hatte es nicht nötig, durch Stiftungen für sein Seelenheil zu sorgen. Die Mehrheit der Künstler wanderte ab. Der Cranach-Schüler Hans Kemmer blieb. Er hatte Erfolg mit reformatorischen Gemäldemotiven wie „Christus und die Ehebrecherin“ (1530).

Lübecks reformierte Kirchenordnung untersagte die Zerstörung der „altgläubigen“ Bildwerke. Überwältigend ist die mit Schnitzfiguren ausgestattete 17 Meter hohe Triumphkreuzanlage im Dom. Rechts und links außen stehen Adam und Eva als lebensgroße Aktfiguren. Um den Gekreuzigten trauern in hünenhafter Überlebensgröße Maria und Johannes, Maria Magdalena und der Stifter: Bischof Albert II. Krummediek.

Bis 10.1., St. Annen-Straße 15., Kirche des Heiligen-Geist-Hospitals, Dom sowie die Kirchen St. Aegidien, St. Jakobi, St. Marien und Museumskirche St. Katharinen (nach Anmeldung). www.luebeck1500.de. Katalog (Imhof Verlag) im Museum 39,95 Euro, Buchhandel 49,95 Euro. Kurzführer 9,95 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

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