Das Wolfgang Fuhr Trio 120 beeindruckte in der Reihe Jazz im tif

Bildung schadet nicht

Kompositorische Raffinesse: Wolfgang Fuhr (von links), Dietmar Fuhr und Florian Ross im tif. Foto: Fischer

Kassel. Immer mehr zur Jazz-Hochburg mausert sich Kassel. Das Angebot in den Clubs kann man nur erstaunlich nennen. Außerdem gibt es für Gourmets „Jazz im tif“ mit einem ausgeprägt kammermusikalischen Profil. Diesmal begrüßte Susanne Herrmann vom Förderverein Kasseler Jazzmusik den Saxofonisten Wolfgang Fuhr (Esslingen), der hervorragend zur Reihe passte. „New Chamber Jazz“ nennt er nämlich die Musik seines Trios 120.

Einen beeindruckenden Abend boten Wolfgang Fuhr, sein Bruder Dietmar Fuhr (Kontrabass) und Florian Ross (Klavier) den 40 Zuhörern im tif. Kompositorische Raffinesse traf auf hohes Spielniveau, ausgesuchte Klangfarben trafen auf leicht zugängliche Ostinato-Grooves. Und zu Recht schämten sich die Musiker nicht ihrer Bildung.

Auf Thomas Mann, dessen biblische Roman-Tetralogie „Joseph und seine Brüder“ zu kultivierten Ethnotönen inspirierte, nahm man ebenso Bezug wie auf den Künstler Maurits Cornelis Escher. Der ist bekannt für seine optischen Täuschungen und war hier Anreger eines Stücks, das mit abstrakt anmutenden Linien eine Metamorphose der Tonarten zum Inhalt hatte.

Ein weiterer Bezugspunkt war Bachs Prélude aus der Cellosuite Nr. 1. Florian Ross hat es zu einer trickreichen, auch pianistisch anspruchsvollen Komposition verarbeitet - weit entfernt vom gewöhnlichen Play Bach. Ross spielte dabei auch mal das Bach-Motiv in der linken Hand, um in der rechten Hand jazzige Arabesken aufzufahren. In der Zugabe schöpfte das Trio nochmals aus der Geschichte. Ein Lied aus dem Glogauer Liederbuch (um 1480) wurde zur versonnenen, zeitgemäßen Ballade. Neuer Kammerjazz eben.

Von Georg Pepl

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