Peter Sloterdijk stellte beim Literaturherbst große Denker vor

Bildungs-Anlageberater

Peter Sloterdijk

Göttingen. 19 Porträts bedeutender Denker vom alten Griechenland bis in die jüngste Vergangenheit, allesamt Vorworte der seit 1995 erschienenen Reihe „Philosophie jetzt“, hat Peter Sloterdijk zu einem Kurzkompendium großer Denker verdichtet. Auf engem Raum entsteht so ein Fackellauf der Vernunft durch die Jahrhunderte, den der Autor selbst als „Stafette eines Feuers durch die Generationen“ hin zu Wahrheit und Erkenntnis beschreibt.

Beim Göttinger Literaturherbst las Sloterdijk in der Aula der Universität aus seinem Werk und diskutierte mit dem Philosophie-Professor Holmer Steinfath einige seiner Thesen.

In kurzen Passagen behandelte Sloterdijk Platon, Aristoteles, Augustinus und Jean Paul Sartre, nicht ohne die Parole „nicht drüber reden, selber lesen“ auszugeben. Seine Distanz gerade zu den antiken Geistesarbeitern nutzte er, um deutlich, bisweilen auch humorvoll zu urteilen. Gelebte Wissenschaftlichkeit sei in Aristoteles zur Vollkommenheit gelangt, sein Schützling Alexander der Große habe sich davon jedoch nicht zum Philosophen machen lassen.

Scharf wird Sloterdijk bei Augustinus, der mit seinen schonungslosen Selbstbekenntnissen „die Schleusen für masochistische Tendenzen“ zum Schaden der menschlichen Selbstsicherung geöffnet und so den Weg in die „christliche Katastrophe der westlichen Philosophie“ geebnet habe. Sartre wiederum erschien als freiheitsgetriebener Geist, zeitlebens auf der Flucht vor dem Ankommen.

Die beste Begründung für sein Buch und dafür, es zu lesen, gab der ebenso streitlustige wie sprachmächtige Intellektuelle am Ende einer teils dissonanten, doch angeregten Debatte selbst. Betrachte man Lesen als Ansparen eines mentalen Guthabens, so stellten gerade die griechischen Philosophen die bewährtesten Bildungs-Staatsanleihen dar. Sloterdijks geistige Anlageberatung stieß auf Zustimmung mit anhaltendem Applaus.

Peter Sloterdijk: Philosophische Talente. Von Platon bis Foucault, Diederichs, 144 Seiten, 14,95 Euro.

Von Jan Löffel

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