50 Jahre: Ray Binder feiert am Wochenende Bühnenjubiläum

Ray Binder - „Der Mann mit dem Hut“, so wie man ihn heute kennt. 

Kassel. Wenn Ray Binder am Samstag das Fiasko rockt, ist es 50 Jahre und ein paar Tage her, dass das nordhessische Rock- und Blues-Urgestein zum ersten Mal auf der Bühne stand.

Es war ein Fest mehrerer Kasseler Schulen in der Stadthalle und der 16-Jährige spielte zur Western-Gitarre bekannte Schlager wie „Wasser ist zum Waschen da“ (Die drei Peheiros, 1956), begleitet von einem Mädchenchor.

Ray Binder - 50 Jahre "live" und kein bisschen leise

Schon bald nach dem Auftritt im Herbst 1961 gründete Binder, der die Handelsschule in Kassel besuchte und anschließend bei einem Autohaus seine kaufmännische Ausbildung absolvierte, seine erste Band, die New Beat Stompers. Unter Beat verstanden die sieben Musiker Dixieland und Instrumentalmusik im Stile der Shadows.

Die beiden entscheidenden Erlebnisse, die aus dem Autoverkäufer einen Vollblut-Rockmusiker machten, der fortan sein Leben nur noch der Musik widmete, passierten im Frühjahr 1964. Mit seiner Band Crossfire spielte Binder im Heringer Central Café (CC). In der Pause bat ihn ein Bekannter mit den Worten „So etwas hast du noch nie gehört“ zur Musikbox ins Nachbarlokal Grotte und drückte dort auf „I Want To Hold Your Hand“ von den Beatles. „Das war ein Schlüsselerlebnis“, sagt er, „und als mir kurze Zeit später eine Schulfreundin die erste LP der Rolling Stones schickte, war mir klar: Das war der Aufbruch in eine neue Zeit.“

Die Hits der Beat-Ära brachte sich Binder bei, indem er die Frankfurter Schlagerbörse mit Hanns Verres hörte und auf der Gitarre die Akkorde nachspielte. Auftritte gab es an den Wochenenden etwa in der Tenne am Leipziger Platz, im Club Atlantic und in der Kasseler Stadthalle. Auf die Beat-Ära folgte die Flower- Power-Zeit, die passenden Klamotten kauften die Musiker in Amsterdam.

Die befreundeten amerikanischen Soldaten Roger Oesterle, Jerry Jacobs und Wally luden ihn 1981 mit der Band Knife Edge zu einer US-Tour ein, die erfolgreich verlief. Doch zurück in Deutschland kam der große Knick. „Da war plötzlich die Neue Deutsche Welle ausgebrochen und niemand wollte unseren Blues-Rock à la ZZ Top hören. Er eröffnete an der Friedrich-Ebert-Straße das Musikgeschäft Ray’s Music. „Das lief so lange gut, bis die großen Versandhäuser die Preise kaputt machten.“ 1986 gab er das Geschäft auf.

Seither ist er in wechselnden Besetzungen auf einer „Never ending Tour“, wie er es nennt, mit zirka 80 Auftritten im Jahr. Vor einem begeisterungsfähigen Publikum irgendwo in Deutschland zu spielen, das sei sein Leben.

Ray Binder tritt am Samstag, 26. November, im Fiasko auf. Zu dem Konzert (Beginn: 21 Uhr, Eintritt: 7 Euro) haben sich u. a. die Sängerin Romana Reiff, Sänger Michael Holderbusch und der bekannte Blues-Gitarrist Till Kersting aus Köln für Gastauftritte angesagt.

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