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Bissige Farben, mieser Ton: Zehn Millionen sehen „Wetten, dass..?“ und hören schlecht

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Von: Florian Hagemann

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Gut gelaunt: Thomas Gottschalk (links), Robbie Williams und Michelle Hunziker auf dem Sofa von „Wetten, dass..?“
Gut gelaunt: Thomas Gottschalk (links), Robbie Williams und Michelle Hunziker auf dem Sofa von „Wetten, dass..?“ © Philipp von Ditfurth/dpa

Als sich Robbie Williams zu Thomas Gottschalk auf die breiteste Couch der Nation setzte, fragte der singende Weltstar: „Warum?“

Das bezog sich auf die anschließende Wette, bei der Brettspiele am Ausschüttgeräusch erkannt werden sollten. Aber dieses „Warum“ steht ja als Frage aller Fragen generell über dieser Sendung. Warum „Wetten, dass..?“? Moderator Thomas Gottschalk hatte die Antwort prompt parat: „Wenn man sich die Frage stellt, muss man sich diese Sendung nicht angucken.“

So ist es.

Nur wer das Ganze nicht hinterfragt, kann mit dem TV-Klassiker immer noch etwas anfangen – auch im zweiten Jahr seiner Rückkehr. Mit all ihren Schrulligkeiten ist diese Sendung in Krisenzeiten noch mehr das, was sie schon immer war: eine Ablenkung vom Ernsten und eine Börse für Diskussionen über die weniger wichtigen Dinge dieser Welt.

Dazu gehört zum Beispiel die erstaunliche Disharmonie von Gottschalk und seiner Mitmoderatorin Michelle Hunziker, die nicht nur in der Klamottenwahl zum Ausdruck kam: Er trug einen roten Leopardenanzug, sie ein pinkes Kleid. Das biss sich, und als er sie auf ihr Liebesleben ansprach, wurde alles noch etwas bissiger.

Das bot fast so viel Gesprächsstoff wie die massiven Tonprobleme des ZDF, die sich durch den TV-Abend zogen. Komiker Oliver Kalkofe brachte sie in Verbindung mit der obligatorischen Baggerwette, die auch diesmal nicht fehlte, und vermutete auf Twitter: „Wetten, dass der Tonmischer bei Robbie Williams die Regler gerade mit einem Bagger bedient?“

So funktioniert „Wetten, dass..?“ immer noch irgendwie – mit einem Augenzwinkern, mit starken Wetten vom Handyfangen während einer Achterbahnfahrt bis zum Herausfinden eines ausgetauschten Fingerabdrucks in einer Reihe von unendlich vielen Fingerabdrücken. Und mit dem parallelen Blick auf die Kurzkommentare im Internet, wo sich ja über alles aufgeregt wird. Gottschalks angeblicher Hang zum Lispeln ist dort ebenso Thema wie seine Fahrigkeit. Fußballspielerin Giulia Gwinn etwa sprach er mit Giuliana an.

Aber, nebenbei: Wusste er in seiner Glanzzeit immer, wer da neben ihm auf dem Sofa saß? Eben. Gottschalk ist mit 72 etwas kraftloser, aber im Kern immer noch Gottschalk. In einer sich rasant ändernden Welt hat das ja auch etwas Beruhigendes. Dass knapp über zehn Millionen Menschen am Samstag einschalteten, spricht bei einem Marktanteil von 39,5 Prozent für das Bedürfnis der Menschen nach dieser Unterhaltung mit all ihren Fehlern und Unkorrektheiten.

Am Ende war auch noch Herbert Grönemeyer da, was ja klar war, wenn er ein neues Lied auf den Markt gebracht hat. Das heißt „Deine Hand“. Die Zeiten sind vorbei, in denen er musikalisch noch Fragen stellte, die man in Bezug auf diese Sendung einfach nicht stellen sollte, um ein bisschen Spaß zu haben: „Was soll das?“

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