Premiere in Gudensberg für die neue Sprachshow von „Schlauberger“ Reinhard Berger und Horst Seidenfaden

Bitte klingel’n beim Vrißör! - Premiere für "Schlaubergers" neue Sprachshow

Streiten über richtiges Deutsch und korrektes Nordhessisch: „Schlauberger“ Reinhard Berger (links) und Horst Seidenfaden. Foto: Dellit

Gudensberg. „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt.“ Dieser Satz wird oft zitiert, ist aber falsch! In Wahrheit ereignen sich weitaus mehr Ausrutscher auf dem glitschigen Terrain der Sprache. Zweifler können sich davon in der neuen Schlauberger-Sprachshow überzeugen, die am Freitag vor gut hundert Zuhöreren auf der Märchenbühne in Gudensberg (Schwalm-Eder-Kreis) Premiere hatte.

Leser der wöchentlichen Schlauberger-Kolumne in dieser Zeitung wissen bereits, wie Redakteur Reinhard Berger mit „sprachlichem Schindluder“ umgeht: Er treibt ihn auf die Spitze. So zum Beispiel wenn es um die Inflation der weiblichen (Sprach-)Formen geht: Aus harmlosen Bürgerinnen und Bürgern werden bei Ex-Bischöfin Margot Käsmann gleich „Jünger und Jüngerinnen“ - muss es da nicht auch „Anrufbeantworterinnen und Anrufbeantworter“ geben?

Sprache spiegelt vieles wieder - auch Mentalitäten. Dem Schlauberger steht da als Experte Horst Seidenfaden (im Hauptberuf HNA-Chefredakteur) zur Seite, wenn es um den Dialekt und die Denkungsart der nordhessischen Bevölkerung geht. Deren Sprache ist nämlich gekennzeichnet durch „größtmögliche Verknappung“ - und Understatement. Das größte denkbare Lob eines Nordhessen für ein exquisites Drei-Sterne-Menü etwa fasst Seidenfaden so zusammen: „Mo was anneres.“

Das Feld der Sprache ist ein weites, und neben dem Fußballfeld, wo oftmals schöne Stilblüten wachsen, sind vor allem Poliker und Verwaltungen für sprachliches Unkraut gut. Da wachsen Ungetüme wie „bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt“ für Fußgängerampel. Doch auch Journalisten sind keine Unschuldslämmer. Das beweist die Bildüberschrift „Oldies glänzten am Rüssel“, die der Schlaubergershow ihren Namen gab. Die meisten Beispiele für Sprachverhunzung, darunter auch Anglizismen wie „German Tinten Tanke“, haben dem Schlauberger übrigens Leser dieser Zeitung zugesandt.

Dabei arbeitet der Schlauberger multimedial, mit Hörbeispielen (etwa von Radioversprechern) ebenso wie mit Bildprojektionen. Denn viele Sprachunglücke entstehen bei der Verschriftlichung. Da kommt es leicht zu Totalschäden wie beim „Vrißör“. Und ein ganzes Kapitel widmet der Schlauberger einem kleinen Häkchen - dem Apostroph. Erstaunlich, was man damit anstellen kann: „Tag des Schnitzel’s“ oder „Bitte klingel’n“.

Moralinsauer ist die gut zweistündige Sprachshow dennoch nie - Spaß an der Sprache ist Trumpf. Und wenn Horst Seidenfaden Pointen aus dem Bauernleben in Weißehütte an der Weser zum Besten gibt, dann kommt auch die ganze Pfiffigkeit der wortkargen Nordhessen zum Vorschein. Viel Beifall.

Nächste Termine: 29.10., Scala-Varieté Fritzlar, 18.11., Haus Schönewald, Fuldatal-Simmershausen. Karten: 0561/203 204.

Von Werner Fritsch

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