Der Film „Suicide Club“ des Kasselers Olaf Saumer läuft beim Dokfest

Bitte nicht abstürzen

Balance-Akt vor dem VW-Werk: Die potenzielle Selbstmörderin Silvi (Katja Götz) tanzt auf dem Hochhaus in Oberzwehren. Foto: nh

Erst rettet ein Zeitungsmädchen ihnen das Leben, dann die Müllabfuhr. Immer kommt den fünf lebensmüden Gestalten etwas dazwischen, die sich in Olaf Saumers Spielfilmdebüt „Suicide Club“ auf einem Hochhaus verabreden, um gemeinsam in den Tod zu springen.

So geht das die ganze Zeit, was nicht nur für die fünf Figuren ein Glücksfall ist, sondern auch für die Zuschauer. Andernfalls wäre der Film schon zu Ende, und man würde nicht erfahren, warum die fünf Schluss machen wollen: ein Kiffer mit einer Schildkröte im Rucksack (Mathieu Süsstrunk), eine junge Frau, die sich selbst verstümmelt (Katja Götz), ein Staubsaugervertreter (Klaus-Dieter Bange), eine Frau mit heilenden Steinen (Hildegard Schroedter) und ein schüchterner Schüler (Arne Gottschling).

Der aus Bad Emstal stammende Saumer hat den 96-minütigen Film als Abschlussarbeit an der Kasseler Kunsthochschule auf einem Hochhaus in Oberzwehren gedreht - für nicht einmal 40 000 Euro. Das geringe Budget merkt man dem komischen Drama nicht an, das beim renommierten Max-Ophüls-Festival ausgezeichnet wurde. Die Bilder von Kameramann Thomas Förster schaffen eine ganz eigene Atmosphäre hoch oben über dem sommerlichen Kassel. Und die Schauspieler, die zum Teil ohne Gage spielten, sind großartig.

„Manchmal ist der Tod die bessere Alternative, wenn der Rest noch schlimmer ist“, sagt der Kiffer Mark zu Beginn. Saumer, der das Drehbuch mit seinem Bruder Martin geschrieben hat, zeigt sensibel, dass jeder der fünf vielleicht einen Grund zum Sterben haben mag, aber noch viel mehr Gründe zum Leben.

Es ist also nur eine rhetorische Frage, wenn die Kasseler Sängerin Ira Goebel im Soundtrack singt: „Should I stay or should I go.“ Wir bleiben.

Samstag, 22.15 Uhr, Gloria, Der Film kommt am 25.11. bundesweit ins Kino, am 24.11. gibt es im Filmladen eine Preview mit dem Team.

Von Matthias Lohr

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