Die Sängerin Carolina Stefani und ihre Band Ysous Pelapapas im Theaterstübchen

Wie Bläschen im Sektglas

Mit Herz und Leidenschaft: Carolina Stefani. Foto: Schachtschneider

Kassel. Was für ein Konzert: Funkelnd, schmusig, leidenschaftlich. Und mit Carolina Stefani eine sinnliche Sängerin im Mittelpunkt, die die Glut und Melancholie südländischer Musik bis zum tiefsten Grund auszuloten verstand.

Da passte auch das Panorama - eine in nachtblau illuminierte Bühne - wie das Mittelmeer zu einem Sonnenuntergang. Am Freitagabend präsentierte sich die Kasseler Künstlerin mit ihrer Band Ysous Pelapapas, was so viel wie Kartoffelschäler bedeutet, wie sie im ausverkauften Theaterstübchen erklärte.

Das Markante am Quintett, zu dem sich der brasilianische Cajonspieler Rui Reis gesellte: die Internationalität. Mit dabei: Charango-Meister Diego Jascalevich (Argentinien), Pianistin Julia Reingarth (Russland), Percussionspieler Pedro Soriano Contreras (Dominikanische Republik) und „als geografische Mitte“ Kontrabassist Philip Wipfler aus Bayern. Von Lateinamerika bis zu mediterranen Räumen reicht das Repertoire. Rhythmus und Temperament dominierten, wenn der portugiesische Fado oder der dominikanische Merengue das Tempo vorgaben.

Spontan wagte die Sängerin ein Bühnen-Tänzchen mit ihrem Percussionspieler. Auch der Tango war zu Gast, gleich in dreifacher Ausführung, in Italienisch, Französisch und Deutsch gesungen. Mit hohem Spaßpotenzial: „Oh Donna Clara, ich hab‘ dich tanzen gesehen.“

Weitere Höhepunkte: berührend schöne Balladen. So die Hommage an die Dichterin und Frauenrechtlerin Alfonsina Storni („Yel mar“). Carolina Stefani formte die Melancholie dieser Lieder mit so viel Leidenschaft, Ästhetik und Herzschmerz aus, dass Gänsehautgefühle kribbelten wie Bläschen im Sektglas. Und die Band? Die bewies, das Klotzen unnötig ist, wenn spieltechnische Klasse und Herz verschmelzen. Südländische Begeisterung als Schlussapplaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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