Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten begeisterten in der Kasseler Stadthalle

Bläser unter Dampf

Extraklasse: Schlagzeuger Holger Müller.

Kassel. Rein räumlich ist es keine geringe Ausweitung vom Egerländer Marsch bis zum Astronautenmarsch. Die beiden Stücke markierten Anfang und Schluss des Programms „Ohne Grenzen“, mit dem Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten am Freitag in der Kasseler Stadthalle vor 1200 Zuhörern ihren inoffiziellen Titel als bestes Blasorchester der Welt verteidigten.

Dass dabei die traditionelle böhmische Blasmusik und die vom Orchestergründer Ernst Mosch begründete Spielkultur die Basis der Egerländer abgeben, lässt sich äußerlich an der Egerländer Tracht ablesen, in der die 16 Musiker auftreten. Diese Tradition kommt in den Evergreens des vor 54 Jahren gegründeten Ensembles wie dem Walzer „Böhmischer Wind“ und der Polka „Egerland, Heimatland“ zum Tragen. Letztere natürlich gesungen vom Duo Katharina Praher und Nick Loris, der im Übrigen als Komponist der AHA-Polka selbst einen Klassiker zum Repertoire der Egerländer Musikanten beigetragen hat.

Natürlich gibt es ihn auch an diesem fast dreistündigen Konzertabend, den berühmten Egerländer Swing, jene rhythmisch pointierte Spielweise, mit der Polka, Marsch und Walzer erst ihre Suggestion entfalten.

Dafür braucht es einen Schlagzeuger der Extraklasse - und den haben die Egerländer Musikanten in Holger Müller. Jedes Ensemble von der Klassik bis zum Jazz muss die Egerländer um diesen Musiker und begnadeten Entertainer beneiden, der nicht nur mit der Präzision eines Uhrwerks, sondern auch mit unnachahmlichem Feeling im „Maschinenraum“ des Bläserdampfers, so Moderator Edi Graf, für die richtige Bewegung sorgt.

Sein Solo in der Solistenparade hätte das Zeug zum You-Tube-Klassiker gehabt - indem er beim Gang ums Schlagzeug herum alles zu Klang und Rhythmus machte, was seinen Sticks erreichbar war.

Letztlich ist es das, was die Egerländer so besonders macht: die musikantische Perfektion, die staunenswerte Beherrschung der Instrumente, verbunden mit nicht nachlassender Spielfreude. Dabei geht der musikalische Leiter Ernst Hutter als Vorbild voran: Er glänzte nicht nur als Tenorhornspieler und Posaunist mit tollen Soli, sondern legte auch mit Rimsky-Korsakows „Hummelflug“, auf der Marchingbone geblasen, ein virtuoses Husarenstück hin.

Man kann die Instrumentengruppen durchgehen: ob es die Trompetensektion ist mit dem Stefan-Raab-erprobten Jörg Brohm von der Bundeswehr-Bigband an der Spitze, ob Siegfried Jung vom Orchester des Nationaltheaters Mannheim an der Tuba oder der Klarinettist Alfred Wurm vom Kasseler Staatsorchester - sie alle gehören zur deutschen Bläserelite.

Und sie haben Lust auf Neues: Ernst Hutter und Nick Loris fallen stets neue Ohrwurmpolkas ein, und die Ausflüge in den Jazz nehmen zu. Das Kasseler Publikum jedenfalls feierte die Egerländer Musikanten mit Standing Ovations und wurde mit mehreren Zugaben, darunter die legendäre „Löffelpolka“, belohnt.

Von Werner Fritsch

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