Der Comedian Murat Topal parodierte im Vellmarer Piazza gekonnt deutsch-türkische Klischees

Mit Blaulicht durch die Gesellschaft

Grips und Witz: Murat Topal. Foto: Schoelzchen

Vellmar. „Ich war der Einzige, der freiwillig zur Polizei ging und nicht mit Blaulicht und Sirene abgeholt wurde.“ Mit frechem Charme kommentierte der Kabarettist und Ex-Polizist Murat Topal am Freitagabend in seinem Programm „Tschüssi Copski“ im ausverkauften Piazza die Anfänge seiner Dienstzeit auf den Straßen von Berlin.

Dann plauderte der gebürtige Neuköllner deutsch-türkischer Herkunft mit viel pantomimischem Talent aus dem Nähkästchen seines multikulturellen Alltags und pendelte auf Knopfdruck zwischen Sprachen, Akzenten und Dialekten.

Topal steht seit 2005 hauptberuflich auf der Bühne und war schon in etlichen TV-Sendungen zu Gast. Sein ungewöhnlicher Lebenslauf macht ihn zum Außenseiter mit authentischem Einblick, der sich nicht damit begnügt, abgegriffene Stereotypen zu parodieren.

Stilecht in Mimik und Jargon entführte er das Publikum in die U-Bahn zu einer pubertierenden Mädchenhorde und ihren schallenden Handy-Klingeltönen oder illustrierte die Mode der Ghetto-Kultur als rotzender Jugendlicher in Alphajacke und weißen Socken.

Vor allem aber verweilte er bei nationalen Klischees, nur um sie genüsslich aufs Korn zu nehmen: Er sei Türke und Polizist zugleich, verkündete er dem amüsierten Publikum. Sodann veranschaulichte er in plastischen Beispielen, wie er seine türkischen Landsmänner in Beamtendeutsch zur Ordnung ruft, junge Skinheads dagegen mit Türken-Slang in Erstaunen versetzt.

Denn gerade bei klassischen Rollenerwartungen muss nichts so sein, wie man es vermutet: Zur Titelmelodie des „Paten“ mimte Topal Restaurantchef Salvatore, der sich schließlich als Hussein aus dem Libanon entpuppte. Im nächsten Augenblick war er zu Besuch bei seinem schwulen, türkischen Friseur, der sofort zum typischen Macho mutierte, wenn ein Verwandter hereinschaute. So viel Grips und Witz konnten nur mit stürmischem Applaus belohnt werden.

Von Carolina Rehrmann

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