Mit dem Blick des Außenseiters: Olaf Dellits Fritzlar-Krimi „MacLean und die Narren“

Olaf Dellit

Es gibt in Olaf Dellits Hessen-Krimi „MacLean und die Narren“ einen Moment, in dem sich der deutsch-schottische Privatdetektiv und Whisky-Verkäufer eingestehen muss, dass er ein ziemlicher Versager ist.

Von den beiden Kindern, die entführt wurden und die eingesperrt in einem Keller schlimmste Ängste ausstehen müssen, gibt es keine Spur. Eine Lösegeldübergabe ist gescheitert, einer der Täter hat sogar dem Detektiv schmerzhaft eine übergebraten. Ralf MacLean hat die richtige Ahnung, tritt aber im Grunde auf der Stelle.

Olaf Dellit, 37 Jahre alter Redakteur unserer Zeitung in Fritzlar-Homberg, hat für sein Krimi-Debüt einen Ermittler erfunden, der kein strahlender Held ist. Die Mutter, eine Nordhessin aus Niedenstein-Metze, traf seinen Vater bei der britischen Armee in Osnabrück, Sohn Ralf, einst Polizist in Glasgow, ist zerrissen, ihn umweht etwas Einsam-Melancholisches: Heimweh nach den Highlands. Den Polizeidienst hat er quittiert und am Markt in Fritzlar ein Haus geerbt, in dem er einen Whisky-Laden aufmacht. Er hört schottische Bands, hasst Tee aus Beuteln und trinkt das eine oder andere Mal selbst einen Whisky zu viel - aber immer wertvolle Ware.

Natürlich klärt MacLean seinen ersten Fritzlarer Fall - die Auflösung, so viel sei gesagt, ist naheliegend, aber plötzlich und verblüffend. Bei seinen langwierigen Umwegen taucht er tief in eine Welt ein, die sich für manchen Nicht-Fritzlarer befremdlich darstellt: den Karneval. Die Entführer verlangen außer vergleichsweise bescheidenen 150 000 Euro ausgerechnet die Absage des Umzugs am Rosenmontag.

Dellit, der in Metze und Kassel aufwuchs, unter anderem im schottischen Stirling studierte und seit 2002 in Fritzlar arbeitet, gelingt es gut, seiner Krimihandlung farbigen Lokalkolorit zu verleihen.

Ob Heeresflieger, Garvensburg, Dom oder Ursulinenschule - MacLean sieht die Stadt mit dem Blick des Fremden, der Außenseiter ist, aber Heimat sucht und am Ende immerhin im Stadtarchivar einen Freund und in der Mutter eines Opfers eine, sagen wir, schon gute Bekannte gewonnen hat. Sein Erfolg wird sich rumsprechen. Weiteren Aufträgen dürfte da nichts entgegenstehen.

Olaf Dellit: MacLean und die Narren. Region-Verlag, 156 S., 11,80 Euro

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