Zu Gast im Kasseler Kulturzelt: Jan Josef Liefers mit seiner Band Oblivion

Blick zurück ohne Zorn

Bilder seiner Kindheit: Jan Josef Liefers und die Band Oblivion luden zu einer Reise in die DDR-Vergangenheit ein. Foto: Socher

Kassel. Musik, wenn sie gut ist, überdauert - egal woher oder von wem sie kommt. So lautete die Botschaft von Jan Josef Liefers am Samstag im ausverkauften Kasseler Kulturzelt. Mit seiner Band Oblivion lud er das Publikum zu einer Reise durch Zeit und Raum ein, wie er anfangs verkündete. Der Raum existiert so nicht mehr, und die Zeit gehört einer Vergangenheit an, die wiederum viel Raum in den Geschichtsbüchern der heutigen Jugend in Anspruch nimmt. Gemeint ist die DDR.

Jan Josef Liefers, als Schauspieler bekannt vor allem als Professor Boerne im Münsteraner Tatort, wurde 1964 in Dresden geboren. Anhand von Liedern damaliger Kultbands wie den Puhdys, Karat, Renft, Lift und Silly lässt Liefers ein Stück Ostgeschichte aufleben.

Angereichert mit persönlichen Episoden und Einspielungen von Originaltönen aus Reden der Staatsratsvorsitzenden Ulbricht und Honecker führt er die Kontroversen zwischen staatspolitischen Interessen und gelebter Realität vor.

Oblivion eröffnete das Konzert mit dem sehr starken Titel „Türen öffnen sich zur Stadt“. Die Band überzeugte musikalisch auf dem vollen Spektrum von Rocknummern bis hin zu Balladen oder sogar einer Nummer aus dem Schlagergenre. An der Gitarre standen Jens Nickel und Johann Weiß, Christian Adameit bediente den Bass, Gunter Papperitz saß an der Orgel und am Piano und Timon Fenner am Schlagzeug.

Ein besonderes Denkmal setzt Liefers und Oblivion der früh verstorbenen Frontfrau der Band Silly Tamara Danz, in deren Fußstapfen Liefers Frau Anna Loos getreten ist. „Schlohweißer Tag“ und „Traumpaar“ läuten das Ende des Konzertes ein und geben noch einmal ein Bild davon, wie sich in der Popmusik eine eigene, beinahe lyrische Sprache entwickelt hat, die mit dem Segen der Zensur einige Dinge sehr deutlich beim Namen nennen konnte.

Letztendlich sind es immer die persönlichen Geschichten, die einem politischen System ein Gesicht geben. Jan Josef Liefers tut dies mit seiner Band Oblivion in „Soundtrack meiner Kindheit“ auf eine unterhaltsame Art und Weise, die frei ist von jeglicher „Ostalgie“. Viel Applaus.

Von Kirsten Ammermüller

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