Blind Date als Volltreffer: "Mein Freund Paul" im Theaterstübchen

Das Publikum wurde bestens unterhalten: Stefan Nadolny (vorn) und Schlagzeuger Henrik Hornung von Mein Freund Paul. Foto: Fischer

Kassel. Als Theaterstübchenchef Markus Knierim das Liedermacher-Trio Mein Freund Paul eingeladen hatte, da kaufte er noch „die Katze im Sack“. Er hatte es bis dahin weder gekannt noch gehört. Am Montagabend nach dem Konzert im gut gefüllten Club sprang er auf die Bühne und bedankte sich: „Wenn die Jungs mal berühmt werden, kann ich sagen, bei mir haben sie vorher schon gespielt.“

Eine Begeisterung, die das Publikum teilte. Stefan Nadolny, Henrik Hornung und Martin Scharvogel als Liedermacher zu bezeichnen, wie es im Programm stand, dürfte es nicht so ganz treffen. Dass sich für Knierim ein Blind Date als Volltreffer entpuppte, aber sicher.

Gewinnend frech

Liebenswert verrückt, ansteckend sympathisch und gewinnend frech kam die Band rüber, die gerade ihr erstes Album „Massagekissen“ herausgebracht hat. Ebenso ihre schrägen Texte. Von Gesang zu sprechen, als die drei abwechselnd das Mikro nutzten, wäre zwar nicht angebracht. Und bei Texten wie „Ich verzichte auf den Liebesakt. Ich hab‘ ja ein Massagekissen“ oder „Hätt’ ich mir doch nur ’ne Kalaschnikow zugelegt, dann hätt’ ich in meinem Leben mal was bewegt“ von Liedermacher-Tiefsinnigkeit wohl auch nicht, aber wen störte das?

Die Formation wusste bestens zu unterhalten, das Publikum mitzureißen und punktete mit ihrer Spielfreude, ihrer Ironie und ihrer überdreht rauen Vortragsweise.

Zudem war ihr spieltechnisches Potenzial durchaus ansprechend. Mit jedem Stück wuchs die Stimmung. Mal erinnerten die Stücke an die Neue Deutsche Welle der 80er-Jahre, mal an die Aura der Hausbesetzerszene in den 70ern, oder Rock, Pop und Funk übernahmen das Kommando.

Und Balladen? Liedermacher und Balladen – für viele ein Verhältnis wie Henne und Ei. Auch dieses Genre wurde von den dreien gehörig auf die Schippe genommen und mit auf weinerlich gestellter Stimme geklagt: „Das Leben ist ein Jammertal. Schon das Aufstehen ist eine Qual – weil man zur Arbeit muss.“ Riesenapplaus und eine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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