Die leidenschaftliche Sängerin Sydney Ellis im Theaterstübchen 

Temperamentsbündel: Die 63 Jahre alte US-Sängerin Sydney Ellis beim Auftritt im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Wenn von Theaterstübchen-Chef Markus Knierim eine „siebenfache Oma“ angekündigt wird, dann erwartet man vielleicht eine liebenswerte alte Dame mit Stock, mit Sicherheit aber keine Frau wie die amerikanische Sängerin Sydney Ellis.

Schlank, beweglich, temperamentvoll wie eine Mitte-30-Jährige präsentierte sich die 63-Jährige, in Virginia geborene Künstlerin am Freitag im proppenvollen Theaterstübchen. Der Grund für so viel Elan dürfte auch in der Musik liegen. Blues und Soul hatten schon immer etwas von einem Elixier, das kein Alter kennt.

In das Theaterstübchen brachte die Sängerin, deren Karriere erst mit 44 begann, davon reichlich mit. Mehr als 1000 Konzerte in 20 Ländern hat sie gegeben. Zunächst brauchte die jung gebliebene Oma etwas Zeit, bis ihr Motor auf Hochtouren lief. Nach einer siebenstündigen Autofahrt direkt vor dem Auftritt ist das mehr als verständlich. Mit jedem Stück aber glühte die Sängerin mit den afro-amerikanischen Wurzeln mehr und mehr und explodierte im zweiten Teil des Abend vollends.

Ihre Stimme ist von Blues und Soul geschwängert, ihr Temperament und ihre Musik sind es ebenfalls. Sehr viel ruhiger dagegen war die Ausstrahlung ihrer Bandmitglieder Christoph Böhm (Gitarre), Doc Ellis (Bass) und Roland Weber (Schlagzeug). Optisch ein gelungener Kontrast: Drei Souveränität ausstrahlende Herren mit Krawatte nehmen ein Temperamentsbündel in die Mitte.

Es sind ausgezeichnete Musiker, die bei den mitreißend rhythmisch intonierten Blues- und Soulklängen lieber ihre Instrumente explodieren lassen. Mit Stücken wie „Stormy Monday Blues“, „Mean & Evil“ oder „Shake Your Moneymaker“ ließ Sydney Ellis mit ihrer kraftvollen Soul-Röhre die Stimmung im Publikum auf Höchstwerte schnellen. Mit Blues-Balladen wie „You Hurt Me“, so leidenschaftlich schmerzvoll und warm gesungen, zelebrierte sie das andere Gesicht des Blues. Taschentücher und Feuerzeuge hätten da zum Einsatz kommen müssen. Ebenfalls aus der Tiefe ihrer Seele: Gospelstücke.

Fazit: Leidenschaftliche Großmütter mit Blues und Soul im Herzen sind ein Erlebnis. Donnernder Applaus und drei Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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