Music Maker lösen im Kasseler Kulturzelt Begeisterung aus

Der Blues hält jung

Musik-Macher mit viel Soul: Robert Lee Coleman sorgte mit seinen Blues-Kollegen für einen kurzweiligen Abend im Kulturzelt. Foto: Socher

KASSEL. Ein 79-Jähriger setzt zur Pirouette vor dem Mikrofonständer an, eine Dame im Alter von 71 Jahren rockt mit ihrer hinter dem Kopf gehaltenen Stromgitarre. Unglaublich, möchte man meinen. Aber bei den beiden Auftritten der Music Maker im Kasseler Kulturzelt ging es heiß her. Die Veteranen des Blues, unverwechselbare Charaktere, zelebrierten eine enorm kurzweilige Show.

Von „bewegenden Geschichtenerzählern“ war im Programmheft zu lesen, was die Erwartung fast einseitig in Richtung der Ergriffenheit lenkte - die rund 700 Zuhörer im nicht restlos gefüllten Kulturzelt durften sich am Freitagabend vor allem über eine fetzige Angelegenheit freuen. Dabei gehörte der ruhig-ernste Auftakt mit Dr. Burt (73) zum perfekten Konzertaufbau. Umso rasanter stieg der Intensitätspegel.

Bald war die Band vergrößert, unter anderem mit Keyboar-der Eddie Tigner (84), und nach einigen Nummern übernahm eine weibliche Wucht mit blauem Haar die Bühne: Pat „Mother Blues“ Cohen (53). Die machte sich den Spaß, den Single-Männern im Publikum „Rock Me Baby, Rock Me All Night Long“ zu dedizieren. Nicht nur vom Text her eine üppige Erotik.

Früher hat Lil’ Joe Burton bei B.B. King gespielt, hier glänzte der mittlerweile 58-jährige Burton als Energiebündel mit extrem dynamischem Posaunenspiel bis hin zum zartesten Pianissimo. Verblüffung herrschte, als sich Tommy Brown (79) vom Sofa im Hintergrund zu seinem Solo als Frontmann aufmachte. Wegen Browns akrobatischer Einlagen und seines Humors, der Beziehungsschmerzen mit ausgiebigem Wimmern überzeichnete.

Bluesig, melodisch, funky

Die Basis der Band bildeten Gitarrist Albert White (67), mal bluesig melodisch, mal funky, sowie die vergleichsweise jungen Groove-Garanten Ardie Dean (Schlagzeug) und Nashid Abdul, Letzterer ein gigantischer Bassmann. Als finale Solistin war Beverly „Guitar“ Watkins (71) an der Reihe, bevor alle neun Musiker in der Zugabe das Stichwort „Hey, Hey the Blues Is All Right“ ausgaben. Dachte auch das begeisterte Publikum, das im Stehen klatschte und nach neunzig Minuten Konzertdauer weitere Zugaben gewünscht hätte.

Von Georg Pepl

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