Mac Arnold begeisterte zum Abschluss der Blues-Woche im Theaterstübchen

Der Blues des Lebens

Startete seine Europa-Tour in Kassel: Sänger Mac Arnold (rechts). Foto: Fischer

Kassel. Man nehme den Blues und stelle sich einen Mann vor, der sich als Siebenjähriger aus Benzinkanistern vom Bruder eine Gitarre bauen ließ, um für die kurze Dauer einiger Blues-Stücke dem Elend und der Armut zu entfliehen. Dann klingt der Blues, wie ihn Mac Arnold spielt.

Vorgestern noch in South Carolina, am Donnerstag zur Premiere seiner Europa-Tournee im ausverkauften Theaterstübchen. Markus Knierim, Chef des Kellerclubs in der Jordanstraße, sah man den Stolz an. Bei der legendären Muddy Waters Chicago Blues Band hatte Arnold die Bassgitarre in den 60er-Jahren gespielt. Nicht schwer, sich vorzustellen, dass Konzerte von Musikern wie dem 67-jährigen, weit mehr als nur Musik mit Rhythmus sind.

Es ist eine Lebensgeschichte, die mit jedem Ton mitschwingt. Ein Leben, das der Blues aus dem Elend gemeißelt hat. Überlebens-Blues könnte man sagen. Gut drei Stunden lang beschenkten Mac Arnold und seine Band, die „Plates full O‘ Blues“, die Besucher zum Abschluss der Blues-Woche mit ihrer Musik, einer mitreißend akzentuierten Mischung aus authentischem „down home Blues“, wie ihn Muddy Waters spielte, Gospelanleihen und Country-Akzenten.

Die Geschwindigkeit und der Rhythmus haben etwas von einem D-Zug, die Urgewalt dieser Musik und Arnolds aus tiefster Kehle gesungenen Geschichten eine immens starke Berührungskraft. Auch seine 60 Jahre alte Gitarre setzte er dabei ein. Erzählte er aus seinem Leben, dann ließ er wie ein Ausrufezeichen ein kehliges Lachen folgen.

Um seine Familie, die Armut und die Liebe zum Land dreht sich seine Musik: Ein Stück handelt von einem alten Traktor, ein anderes von einer Farm und davon, dass er ein „Country Man“ ist, so auch der Name dieses Albums.

Und was ein echter Blueser ist, der singt natürlich auch von „seinem Baby“. Arnold machte daraus noch einen Bühnenspaß: „I wanna tell you about my baby“, singt er, plötzlich erhebt sich Schlagzeuger Mike Whitt und ruft: „Mac, your baby has gone.“ Gespielte Verwunderung von Arnold: „By bicycle?“

Hat sie ihn wirklich mit dem Fahrrad verlassen? „Nein, mit dem Zug“, antwortet Whitt trocken. Kurzes, schmutziges Lachen, dann rollt der Blueszug weiter. Tosender Applaus für den Blues-Mann und seine Band.

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