Jazzfrühling im Theaterstübchen

Blues-Legende Mitch Ryder im Interview

Mitch Ryder

Mitch Ryder ist eine lebende Legende. Jimi Hendrix wollte mit ihm eine Band gründen. John Lennon rettete ihm das Leben. Ein Auftritt beim WDR-Rockpalast bescherte dem Sänger aus Detroit 1979 ein Comeback in Deutschland. Nun kommt der 69-Jährige mit Band ins Kasseler Theaterstübchen, wo er am 13. März bei der Blues-Woche auftritt.

Mr. Ryder, Ihr Song „Junkie Love“ ist ein rauer Rückblick auf Ihre Drogen-Zeit. Hat Ihre Frau Sie gerettet? 

Mitch Ryder: Ja, Megan hat mir geholfen, von den Drogen loszukommen, aber der Song handelt nicht von ihr, sondern von einer anderen Person, mit der ich mal verheiratet war. Diese Frau habe ich hinter mir gelassen. Ich hatte meinen Entzug 1989, ein paar Jahre nach meiner jetzigen Frau.

Warum waren früher alle Musiker high? 

Ryder: In den 60ern begann eine kulturelle Gegenrevolution, alles drehte sich um Drogen und ums Aussteigen. Man wollte nicht Teil des Systems sein. Ich war damals ein weißer Sänger in einer schwarzen Band. Wir haben untereinander nicht über Bürgerrechte gesprochen, wir sahen uns einfach als gleich an. Das ist das Schöne an der Musik, sie unterscheidet keine Hautfarben.

Detroit ist legendär für seinen harten „Motor-City-Rock“, für Bands wie Iggy Pop & The Stooges sowie Mitch Ryder & Detroit. Haben Sie damals gespürt, dass Sie Musikgeschichte mitschrieben? 

Ryder: Ja, und ich habe darauf mit der Band Detroit geantwortet. Wir machten nur ein Album, aber ein sehr gutes. Wir spielten immer einen Song von Velvet Underground: „Rock’n’Roll“. Einmal kam Lou Reed in einen Club, wo wir auftraten, wir wurden zusammen high. Er sagte, unsere Fassung seines Songs sei die definitive Version.

In Ihrer nur auf Englisch erhältlichen Autobiografie schreiben Sie über Jimi Hendrix. Wie nahe standen Sie sich? 

Ryder: Jimi spielte mit dem Gedanken, die Experience aufzulösen und fragte mich, ob ich Lust hätte, in einer neuen Band zu singen. Ich sagte nein. Jimi starb dann ein Jahr, nachdem er die Band Of Gypsies gegründet hatte. Es wäre also eh ein kurzer Job gewesen. (lacht)

Ihre Stimme ist einzigartig. Haben Sie manchmal das Gefühl, unterbewertet zu sein?

Ryder: Nun, ich habe in den 60ern Millionen Platten verkauft, das waren die fetten Jahre. Leider musste ich einen dieser Gangster verklagen: Bob Crewe. In einem Interview gestand er, er hätte sich 17 Millionen Dollar, die er mit mir verdient hat, auf Partys durch die Nase gezogen. Und lachte darüber. Heute nützt ihm das wenig, er leidet an Demenz und muss in einem Heim leben.

In Ihren fetten Jahren hießen Ihre Vorgruppen The Who und Eric Clapton & Cream. Auch die Beatles haben Sie getroffen. Eine denkwürdige Begegnung?

Ryder: Es war auf der Party zur Veröffentlichung von „Sergeant Pepper“. Die Atmosphäre war extrem drogengeschwängert. Ich steckte damals in einer tiefen Lebenskrise, ich hatte ernsthaft vor, mich umzubringen, und John Lennon redete mir das aus.

Wie schaffte er das? 

Ryder: John Lennon war ein großartiger Mensch. Er gab mir das Gefühl, geliebt zu werden. Er brachte mich zum Lachen, vermittelte mir, dass ich zu dieser Welt dazugehörte.

Dennoch unternahmen Sie Jahre später tatsächlich einen Selbstmordversuch.

Ryder: Es war der dunkelste Moment meines Lebens, es lief damals eine Verschwörung gegen mich. Natürlich ist es sehr traurig, wenn man versucht hat, einem verzweifelten Menschen zu helfen, und dieser bringt sich dann um. Man macht sich schwere Vorwürfe. Ich habe aber auch Selbstmorde erlebt, wo ich dachte: „Das war aber eine gute Idee! Denn ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, dich umzubringen“. (lacht)

Jazzfrühling und Blueswoche

Stars hautnah verspricht der sechste Jazzfrühling im Kasseler Theaterstübchen. Markus Knierim holt Künstler in seinen Club wie den Saxofonisten Joshua Redman, die sonst nur in großen Hallen auftreten. Zudem gastieren auch noch Blues-Größen im Theaterstübchen.

8. März, 19.30 (ausverkauft) und 22 Uhr: Joshua Redman Quartet

9. März, 19.30 Uhr: Lynne Arriale, KJ Denhert & Grace Kelly

11. März, 19.30 Uhr: Ute Lemper (Opernhaus, ausverkauft)

15. März, 20 Uhr: Scratch

16. März, 19.30 Uhr: Joern and The Michaels

18. März, 20 Uhr: Cristina Branco (Karlskirche)

19. März, 20 Uhr: Paul Jackson Trio feat. Pee Wee Ellis

20. März, 20 Uhr: Ron Carter - The Golden Striker Trio

21. März, 20 Uhr: Diknu Schneeberger Trio

22. März, 20 Uhr: ResiDance Orchester Cassel (Hotel Reiss)

23. März: Jazz In A Miller Mood

Blues-Woche:

10. März, 20 Uhr: Jim Kahr Band

12. März, 20 Uhr: Blues Caravan

13. März, 20 Uhr: Mitch Ryder

Wenn nicht anders angegeben im Kasseler Theaterstübchen, Jordanstraße 11. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204. www.theaterstuebchen.de

Von Olaf Neumann

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