Kabarettist Arnim Töpel im Theaterstübchen

Der Blues-Philosoph

Musikalisch und witzig: Arnim Töpel beim Auftritt im Theaterstübchen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ja, nur mit Fingerschnippen kann man einen unglaublich rhythmischen Druck erzeugen. Wenn man so musikalisch ist wie Arnim Töpel. Am Donnerstag begeisterte der Kabarettist, Pianist und Sänger wieder im ausverkauften Theaterstübchen, wohin ihn Frauke Stehl, Veranstalterin der dortigen Kabarettreihe, eingeladen hatte. Erneut wurde Kleinkunst zum charmanten Gesamtkunstwerk.

Denn an Töpel fasziniert vieles: die sonore, melodiöse Stimme, die federnd in die Tasten gewuchteten Akzente beim bluesigen Klavierspiel und die Eleganz, mit der er Sprache, Gestik und Rhythmus verbindet. „Seine Bewegungen zeigen Spannung in der Gelassenheit“, meinte einmal eine Kritikerin. Das Kunstwerk krönt er mit Pointen, die ihm den Ruf eingetragen haben, ein konsequenter Gegenentwurf zu der Spezies der platten Witzeerzähler und Berufsbeleidiger zu sein.

Verschmitzt melancholisch sinniert er in seinem viel gespielten Programm „Sex ist keine Lösung“ über Themen wie Scheidung, Kindererziehung oder das Kennenlernen anderer Frauen: „Ich muss nur wissen, dass es geht, nicht, wie es ausgeht.“ Zwischendurch bekommt der deutsche HipHop in einer abgefahrenen Satire eins kräftig auf die Mütze.

Fulminant auch die Nummern im Dialekt seiner Geburtsstadt Heidelberg. Und dem Meisterdenker Nietzsche, dem Kritiker des Mitleids, hätte es womöglich gefallen, als der Blues-Philosoph eine herkömmliche Botschaft des Blues ins Gegenteil verkehrte: „Jeder mag dich, wenn du schwach bist.“

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.