Blues-Stargitarrist Joe Bonamassa rockte lautstark die Kasseler Orangerie

Perfekter Auftritt: Joe Bonamassa in der Orangerie. Foto: Schachtschneider

Kassel. „Als ich nach Deutschland kam, hat man mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, zwischen den Hallenkonzerten in Frankfurt und im Norden ein intimeres Konzert in einem alten Schloss zu geben. Ich hatte am Montag noch nichts vor", witzelte Blues-Rockstar Joe Bonamassa in der Orangerie.

Eingeladen hatte der Radiosender hr1, der das Konzert für seine Live-Lounge-Serie (Ausstrahlung am 11. April, 20 Uhr) aufzeichnete. Doch „Lounge“ war hier allenfalls das Ambiente. Dem Vernehmen nach ließ Bonamassa während des Soundchecks die Bestuhlung aus dem Saal entfernen, weil er plötzlich Lust hatte, die Orangerie zu rocken, was er dann auch ausgiebig tat

Zu Johnny Cashs „Ring of Fire“ kommen die Musiker auf die noch dunkle Bühne. Ein erster Scheinwerfer fällt auf Keyboarder Reese Wynans, der das Piano-Intro von „Locomotive Breath“ (Jethro Tull) anspielt, das lückenlos in „This Train“ und „Mountain Climbing“, zwei Songs von Bonamassas nächstem Album „Blues Of Desperation“, übergeht.

Doch hier setzt sich keine Blues-Lokomotive in Gang, sondern ein ICE der neuen Generation. Der Blues von Bonamassa, das wird schnell klar, ist nicht der Blues der Unterdrückten, hat nichts Dreckiges. Im Designer-Anzug spielt er im Lauf des Abends auf fünf Gitarren edelster Fabrikation seinen Southern-Blues-Rock so perfekt und trotz immenser Lautstärke klanglich allerfeinst austariert, dass es fast schon aseptisch wirkt.

Daran ändert sich auch nichts, als er sich im zweiten Teil des Konzertes vor den Blues-Altmeistern verbeugt. „See See Baby“ von Freddie King, „Never Make Your Move To Soon“ von B. B. King und „Angel Of Merci“ von Albert King zeigten die Bonamassa-Band als perfekt funktionierende Einheit. Und hier sei die Frage erlaubt: Warum sollen nicht auch Yuppies in ihrer Designer-Welt mal den Blues haben?

Mit dem Don-Nix-Klassiker „Going Down“ ging es nach 70 makellosen Minuten mit vielen neuen und einigen alten Songs in den Zugabenteil. „Spanish Boots“, der Song von dem armen Jungen, der hart arbeiten muss, um sich ein paar Schuhe zu kaufen, wirkte in diesem Ambiente etwas deplatziert. „Are You Experienced“ von Jimi Hendrix klang reiner, als es bei Hendrik je klang. Aber kann man einem Musiker vorwerfen, dass er alles perfekt macht?

Joe Bonamassas neues Album „Blues Of Desperation“ erscheint am 25. März. (wd)

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