Blumen für die Hippies: Selig routiniert im Kulturzelt

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Seine Rio-Reiser-Stimme ist das Markenzeichen der Band: Selig-Sänger Jan Plewka.

Kassel. Falls die Bewohner der Christbuchenstraße 76 in Kassel am Montag Probleme hatten, ihr Haus zu verlassen, könnte das an Jan Plewka gelegen haben.

Der Selig-Sänger hielt am Sonntag beim Auftritt im Kasseler Kulturzelt ein Loblied auf den Band-Bassisten Leo Schmidthals, der vor 44 Jahren eben in jenem Haus im Kasseler Stadtteil Kirchditmold geboren wurde.

Schmidthals habe seinen vier Band-Kollegen wieder und wieder von den Schönheiten Kassels erzählt. Plewka meinte, dafür könne er einmal Ehrenbürger seiner Heimatstadt werden. Zumindest aber sollten alle 600 Kulturzeltbesucher am nächsten Tag Blumen vor Schmidthals’ Geburtshaus legen.

Blumen passen überhaupt zu Selig, die so was wie die letzten Hippies sind, wie auch ihr Gastspiel an der Drahtbrücke bewies. Auf der großen Trommel des Schlagzeugs prangte der Schriftzug des aktuellen Albums „Magma“, der aussieht, als sei er in Woodstock entstanden. Die Lampen über der Bühne leuchteten manchmal in Regenbogenfarben. Und die Musik klang mitunter nach einer psychedelischen Jam-Session.

Mitte der 90er, auch das erzählte Plewka, spielten Selig schon einmal in Kassel. Damals war die Hamburger Band mit ihrem deutschen Grunge eine große Nummer. 1999 löste sich die Gruppe zerstritten auf. Plewka und Gitarrist Christian Neander redeten kein Wort mehr miteinander. Vor fünf Jahren fanden sie wieder zusammen und sind seitdem erfolgreicher denn je.

Anders als bei vielen anderen altgedienten Bands kamen in Kassel nicht nur die alten Nummern gut an. So wurde etwa die Single „Alles auf einmal“ bejubelt, die in Burn-out-Zeiten ein Plädoyer für Langsamkeit und etwas weniger an allem ist. Zu viel gab es an dem Abend nicht. Der Auftakt war eher verhalten, zwischendurch gab es immer wieder ungewollte Rückkopplungen, und Plewka wirkte unter seiner Schiebermütze manchmal arg routiniert.

Seine Rio-Reiser-Stimme ist das eine Markenzeichen der Band. Das andere ist das Gitarrenspiel von Neander, der auch für den Höhepunkt sorgte. Die 20 Jahre alte Ballade „Ohne dich“ spielte er zunächst sanft mit Akustikgitarre, um dann an der elektrischen Variante ein Mörder-Blues-Solo abzuliefern. Ein paar Blumen hätte er dafür schon verdient gehabt.

Kulturzelt, Mittwoch, 19.30 Uhr: Youn Sun Nah & Ulf Wakenius. Tickets: 0561/203-204.

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