Blumen für Mieze: Mia im Kasseler Theaterstübchen

Sie war spitze und ihre Fans auch: Mia-Frontfrau Mieze im Kasseler Theaterstübchen. Foto: Hedler

Kassel. Die Berliner Elektropop-Band Mia polarisiert seit jeher. Im ausverkauften Kasseler Theaterstübchen bewiesen die Berliner um Sängerin Mieze aber, dass sie einfach nur gut sind.

Schon lange bevor Mia den ersten Song im Kasseler Theaterstübchen spielten, sorgte die Berliner Band in der Stadt für Aufsehen. Seinen Nightliner-Bus parkte das Quartett auf dem Bürgersteig in der Jordanstraße, ohne dass jemand behindert worden wäre. Trotzdem rückte das Ordnungsamt an und verhängte 20 Euro Bußgeld.

Die Strafe zahlt Theaterstübchen-Betreiber Markus Knierim. Aber auch Mia kennen sich mit Beamten aus, vor allem mit denen von der Gesinnungspolizei. 2003 besang Mieze in „Was es ist“ ihre Liebe zum Vaterland und hüllte sich im Video in eine Deutschlandfahne. Kollegen warfen ihr Nationalismus vor, linke Studenten bewarfen die Band mit rohen Eiern. Das war schon damals lächerlich.

Mia polarisieren seit jeher. Es wäre neu, wenn die Elektropop-Formation den Menschen egal wäre. Das aktuelle Werk „Biste Mode“ ist allerdings das erste Album seit 2004, das es nicht in die Top Ten geschafft hat. Nun bespielt die Band kleine Clubs - aber nicht wegen der gesunkenen Nachfrage, sondern weil „wir dem Publikum nah sein wollen“, wie Mieze im Vorfeld sagte.

Näher als im ausverkauften Theaterstübchen, das der Berliner Soundtüftler Y3ears mit souligem Elektro angeheizt hatte, kann man die 36-Jährige und ihre drei Mitmusiker nicht erleben. Die Fans sind mittendrin statt nur dabei. Und Mia sind immer noch eine sehr gute Live-Band mit Mieze als Rampensau. Schon das zweite Lied „Hungriges Herz“ singt der gesamte Club mit. Den alten Hits gewinnt die Band neue Facetten ab. „Was es ist“, das TV-Zuschauer als Titelmelodie der ZDF-Reihe „37 Grad“ kennen, wird zur rumpeligen Rockversion. Manchmal klingt der Sound auch technoid.

Programmatisch ist „Biste Mode“, der beste neue Song, in dem Mieze singt: „Zu mir kannste immer wieder kommen.“ An anderer Stelle fordert sie, die Grenzen für Menschen „so zu öffnen, wie sie es für Geld schon lange sind“. Das klingt arg naiv, passt aber zu Zeilen wie „Ich bin ein Mensch, ich bin für Menschen“.

In „Alles neu“ lässt sie im Refrain „die Bombe explodieren“, was in diesen Tagen ein mulmiges Gefühl erzeugt. Dafür singt Gitarrist Andy Penn, der Freund von Juli-Frontfrau Eva Briegel, am Ende von „Pro Test“ John Lennons „Imagine“, das nach den Attentaten von Paris wieder um die Welt ging.

Nach fast 90 Minuten gibt es langen Applaus und für Mieze einen Blumenstrauß von Gastgeber Knierim. Das macht die Sängerin fast sprachlos. „Wir haben uns lieb“, sagt sie. Mia san weiterhin Mia.

Die Band MIA im Theaterstübchen Kassel

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