Der Rapper Smudo über das neue Album der Fantastischen Vier, seine Töchter und Konsumzwang

„Bock allein reicht nicht“

Immer noch fantastisch: Thomas D. (von links), Smudo, Michi Beck und And. Ypsilon. Foto: nh

Vor mehr als zwei Jahrzehnten haben die Fantastischen Vier den Deutsch-Rap erfunden, heute sind die Stuttgarter so etwas wie die Rolling Stones des Hip-Hop. Gerade ist ihr achtes Studioalbum „Für Dich Immer Noch Fanta Sie“ erschienen. Wir sprachen mit Smudo (42).

Smudo, eine Zeile aus Ihrem Song „Wir Gladiatoren“ lautet „Irgendwann fällt der Vorhang / und wir geben dem Privatleben Vorrang“. Könnte „Für Dich Immer Noch Fanta Sie“ das letzte Fanta-Album sein?

Smudo: Wir kokettieren mit dem Ende der Fantas. Das hat für uns Tradition. Aus dem Text spricht aber auch die Katerstimmung nach dem dauernden Beschäftigen mit der Musik. Das Album ist uns nicht leicht von der Hand gegangen.

Klingen viele Songs deshalb so zynisch, laut, böse und irre?

Smudo: Gut möglich. Diese frustigen Nummern wie „Kaputt“ sind am Anfang entstanden, wenn du vor einem leeren Blatt sitzt und nicht weißt, ob du es stemmen wirst. Du hast Bock dazu, aber Bock allein reicht nicht. Es liegt jedes Mal ein Riesenberg vor dir: Wir wollen keinen Wischiwaschi-Liebesrap schreiben, sondern ehrliche Stories, die unser Leben widerspiegeln und die Leute interessieren.

„Immer mehr Zeug, immer weniger Zeit“ rappen Sie in „Gar nicht so toll“. Wird den Fantastischen Vier die Welt zu schnell?

Smudo: Dass die Leute immer mehr arbeiten und Schwierigkeiten haben, in dieser flexiblen Welt eigene Freiräume zu bewahren, ist tatsächlich ein Problem. Dann denkst du schnell „Mein Leben ist nicht toll“ oder „Immer Nummer eins zu sein, wird auch langweilig“. Und warum ist das so? Weil wir in einer Konsumgesellschaft leben, in der Wachstum so funktioniert, dass dem Mann auf dem Sofa weisgemacht wird, was er alles für Bedürfnisse hat. Dann geht er noch mehr arbeiten, kauft sich die ganzen Sachen, liegt wieder auf dem Sofa und kriegt neue Bedürfnisse suggeriert.

Was kann man machen gegen das Sattwerden?

Smudo: Ich habe die Lösung nicht. Ich bin mit meiner Familie umgezogen, und wir haben uns eine Einbauküche gekauft. Diese Küche ist geil, sie hat einen Wok-Aufsatz und ein Ceran-Feld mit einem Grill. Und dann diese heißen Granitplatten. Ein ganz neues Kochgefühl ist das. Jetzt überlege ich seit Monaten, was für ein Fernseher ins Wohnzimmer soll. Alle paar Wochen gibt es noch schärfere Glotzen. Das nervt total.

Sie sind Familienvater. Ihre Töchter Amy und Olga sind zweieinhalb Jahre und drei Monate.

Smudo: Meine ältere Tochter hat gerade ein ganz großes Barbie-Problem. Jedes Jahr gibt es von Barbie so eine Animationsfilmreihe, wo diese halb nackten Weiber mit Schmetterlingsflügeln in Pink und Rosa durch die Gegend schweben. Da trippt die Amy tierisch drauf ab, volles Rohr. Dabei habe ich immer gedacht: Meine Tochter nicht. Aber sonst ist sie total süß.

Bekommen Sie Beruf und Familie unter einen Hut?

Smudo: Nein, das ist sehr schwer. Vor allem jetzt mit zwei Kindern. Kurz bevor Olga kam, hatte ich mir freigenommen und zu Hause an den Songs gearbeitet. Ausgerechnet da fiel mir die krasse Partynummer „Smudo in Zukunft“ ein.

Die davon handelt, dass Sie wild feiern.

Smudo: Exakt. Aber feiern kann ich nur noch, wenn ich auf Tour bin. Das Alltagsleben sieht anders aus. Die Kleine brüllt, und die Große quengelt „Mama, ich will Süßigkeiten, wo ist Papa?“. Und wenn dann der Alte nach Hause kommt und sagen würde: „Du, wir haben gerade gekifft und dann einen Supersong geschrieben“, käme das nicht gut an. Deshalb ist das alles nicht so einfach.

„Für Dich immer noch Fanta Sie“ ist bei Columbia erschienen.

Von Steffen Rüth

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