Bodo Wartke: Er tut es aus Liebe

Rasante Show: Bodo Wartke und Melanie Haupt beim Auftritt in Wolfhagen. Foto: Yüce

Ein Talent kommt selten allein: Der Klavierkabarettist begeisterte im Kulturzelt Wolfhagen

Wolfhagen. Er gilt als Mann der vielen Talente: der Musikkabarettist Bodo Wartke. Seine Auftritte sind ausverkauft, seine Sammlung an Kleinkunst- und Songpoetenpreisen wächst – fast ohne Fernsehauftritte. Wir haben ihn bei seinem Auftritt im Wolfhager Kulturzelt am Mittwoch einem Talent-Check unterzogen, um herauszufinden, wie viel davon in dem 39-Jährigen steckt.

Kabarettist

Bodo Wartke präsentiert sein neues Klavierkabarettprogramm: „Was, wenn doch?“. Er analysiert mit Scharfsinn Alltagssituationen und der Mann mit zwei abgebrochenen Studiengängen ist selbstironisch („Im Musikstudium lernt man, wie etwas zu sein hat. Aber wie es sich nicht gehört, ist geiler.“). Er ist charmant-bissig, so, wie ihn seine Fans kennen. Wartke ist aber auch deutlich politischer. Weniger verspielt. Vor allem bei „Nicht in meinem Namen“. In dem Song geht es um unmenschliche Handlungen im Namen von Religionen. Seine Themen sind nicht mehr nur Liebe und Leiden. Es gelingt ihm – wenn auch nur kapp – nicht zu moralisierend zu sein. Eine Gratwanderung, die Kabarettisten nur gelingt, wenn sie Talent haben.

Sänger und Pianist

Seine Stimme ist klar, nicht schmalzig. Er swingt, er rockt und rappt (ein Lied für Insekten). Tango, Blues, ein Bach-Präludium in c-Moll, Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, das Drama „Antigone“ von Sophokles, „Bohemian Rhapsody“ von Queen – das alles und mehr gibt es im Wartke-Mix zu hören. Fast immer haben die Texte einen tieferen Sinn. Einige handeln vom Scheitern, vom mangelnden Mut, etwas zu tun. „Tu, was du tust aus Liebe“, erklärt er. Wartke spielt mit Sprache und Bedeutungen, ist ein Wortakrobat und das Piano sein Partner – mit den Tasten nimmt er es so genau wie mit seinen Texten.

Entertainer

Auch das ist er: Die Bühne im Kulturzelt erinnert an ein Wohnzimmer. Sessel, Stehlampe, Bücherregal – und ein Klavier. Vertraut. Das Publikum unterhält er in den Pausen mit einer Art Interview mit sich selbst („Ich werde oft gefragt...“). Das Zusammenspiel mit den Zuschauern klappt gut – es wird geklatscht, geschnippt, gelacht. Und wenn seine Kabarett-Partnerin Melanie Haupt mit auf der Bühne agiert, steigert sich das noch.

Am Ende gibt es Applaus im Stehen im Wolfhager Kulturzelt. Und klar wird: Ein Talent kommt selten allein.

Nächste Kulturzelt-Termine in Wolfhagen: Heute, 20 Uhr, Gregor Meyle und Band. Sonntag, 20 Uhr, Jennifer Rostock. www.kultzelt.de

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