Das Internet tötet die Radiostars

Jan Böhmermann und Olli Schulz machen ihren Quatsch bald bei Spotify

Produzierten „Sanft & Sorgfältig“ bislang für die ARD-Welle Radio Eins: Jan Böhmermann (links) und Olli Schulz . Foto: rbb

Gerade hat Jan Böhmermann seine Fans erschüttert. Der Komiker, der mit seinem Erdogan-Gedicht eine Staatskrise auslöste und sich bald vor Gericht verantworten muss, teilte mit, seine Sendung „Sanft & Sorgfältig“ mit Olli Schulz bei Radio Eins zu beenden.

Damit nicht genug: Der TV-Satiriker und der musizierende Entertainer machen ihre grandiosen Späße ab Mitte Mai exklusiv für den Streamingdienst Spotify. Bislang konnte man „Sanft & Sorgfältig“ sonntags auf den ARD-Jugendwellen und als Podcast hören. Nun geht das nur noch für knapp zehn Euro im Monat – so viel kostet ein Spotify-Premium-Account.

Für manche ist das ein sehr viel größerer Schlag als ein lächerliches Gedicht, dessen Nachwirkungen mit der Entscheidung nichts zu tun haben, wie alle Beteiligten beteuern. „Spotify steals the Radio Star“, schrieb jemand bei Twitter in Anlehnung an den Buggles-Hit „Video Killed The Radio Star“. Um den Schmerz zu verstehen, muss man wissen, dass „Sanft & Sorgfältig“ die lustigste Sendung im deutschen Radio war. „Jan und Olli“, die auch einen ZDFneo-Talk haben, redeten über Internet-Sternchen, Hitler sowie Fußmassagen und alberten mit Gästen wie dem Schauspieler Matthias Brandt herum. Für Kritiker war die Sendung „Bildungsradio, das klug reflektiert und zwischendrin sogar philosophische Anklänge hören lässt“.

Spotify hat das Duo angeblich mit viel Geld gelockt. Der Marktführer im Musik-Streaming braucht neue Zugpferde, um sich gegen die wachsende Konkurrenz wie Apple Music abzusetzen. Bereits voriges Jahr teilten die Schweden mit, nicht nur auf Musik, sondern auch auf Podcasts und Videos zu setzen. So traurig es für Traditionalisten klingen mag: Der Wechsel von Böhmermann und Schulz ist ein weiterer Grund, zu streamen und den Dudelfunk auszuschalten.

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