Mit den Streichen von Max und Moritz hielt Wilhelm Busch den Spießern den Spiegel vor

Böse Buben zum Liebhaben: Max und Moritz werden 150 Jahre alt

„Schnupdiwup, da wird ganz oben / Schon ein Huhn heraufgehoben!“: Max und Moritz auf dem Dach der armen Witwe Bolte. 

Dieses Jubiläum hätte Max und Moritz gefallen. Am 4. April, so hieß es vor sechs Monaten, würde der Buchklassiker von Wilhelm Busch 150 Jahre alt. 

Ein Journalist hatte etwas Falsches aus dem Wikipedia-Lexikon abgeschrieben, und damit war das falsche Datum nicht mehr aus der Welt zu kriegen – dabei ist es „völlig aus der Luft gegriffen“, wie Buschs Biografin Gudrun Schury versichert.

Vielleicht stecken Max und Moritz selbst hinter dem Datumsscherz. Ihre sieben Streiche erschienen im Oktober 1865. Wir würdigen die Bildergeschichten, die in Ebergötzen bei Göttingen ihren Ursprung haben, pünktlich zum Jubiläum in sieben Kapiteln.

Das Buch

Es geht um Brandanschläge sowie Tierquälerei und am Ende sterben die Titelhelden einen qualvollen Tod – trotzdem hat Busch (1832 bis 1908) mit „Max und Moritz“ eines der erfolgreichsten Kinderbücher geschrieben und illustriert. Es wurde in 281 Sprachen und Dialekte übersetzt.

Die bösen Buben versetzen ihre Umwelt in Angst und Schrecken. Die Hühner der Witwe Bolte etwa werden vergiftet. So grausam war nicht mal der „Struwwelpeter“. Die lustigen Verse dazu kennt jeder. Etwa: „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich.“

Die Vorgeschichte

Busch war fast schon am Ende, bevor alles begann. Sein Maschinenbaustudium in Hannover hatte der Kaufmannssohn abgebrochen, stattdessen studiert er in München Kunst und genießt das Leben der Bohème. Zu seinen Eltern hat er kaum Kontakt. Als der Autor „Max und Moritz“ einem Dresdner Verlag anbietet, lehnt der es ab. Wer an so etwas Vergnügen habe, kaufe keine Bücher, bekommt er zu hören.

Vom Verlag Braun & Schneider bekommt er schließlich 1000 Gulden – so viel wie ein Handwerker in zwei Jahren verdient. „Max und Moritz“ wird jedoch ein Long- statt ein Bestseller: Erst nach drei Jahren ist die erste Auflage verkauft. 

Der Ursprung

„Das meiste“, schreibt Busch später, „ist ausgedacht, aber einiges ist wirklich passiert.“ Und zwar in Ebergötzen bei Göttingen. Dort vertrauen seine Eltern den neunjährigen Wilhelm seinem Onkel an, dem Pastor Georg Kleine. „Die fünf schönsten Jahre“ seiner Kindheit verbringt Busch dort. Heute gibt es dort die Wilhelm-Busch-Mühle.

Der junge Busch

Vorbild für den pausbäckigen Max ist der gleichaltrige Müllerssohn Erich Bachmann aus Ebergötzen. Aus Wilhelm wird im Buch Moritz mit der Tolle. Dabei war der Autor als Kind „ängstlich“ und „empfindsam“, wie Busch über sich schreibt.

Die Sprache

Buschs Reime kennen Generationen von Kindern. Seine per Holzstich angefertigten Illustrationen prägen das Bild, das sich die Deutschen von einem strengen Lehrer machen. Und besonders effektvoll setzt der Autor sprachliche Lautmalereien wie „Schnupdiwup“ und „Ritzeratze“ ein. Beim letzten Streich, in dem Max und Moritz vom Müller zermahlen werden, heißt es: „Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke.“

Die Kritik

So ein Kettensägenmassaker als Buch wäre heute unvorstellbar. Auch böse Kinder gibt es nicht mehr, sondern nur Mädchen und Jungen, deren Eltern versagt haben. Die Busch-Biografin Schury sieht in „Max und Moritz“ eine kritische Parabel auf die spießbürgerliche Gesellschaft. Die Opfer der Titelhelden sind genauso böse wie Max und Moritz, wenn sie nach deren Tod feststellen: „Das kommt von dumme Witze!“

Für Busch ist die Welt böse. Seine pessimistische Weltsicht ist vom Philosophen Arthur Schopenhauer beeinflusst. Trotzdem sollte man nicht zu viel in „Max und Moritz“ hineininterpretieren. Busch hat das Buch vor allem „zu Nutz und eigenem Plaisier“ geschrieben, wie er notierte. Eine Freude ist es für die Leser bis heute.

Der Geburtstag im Internet

Viele Infos zum Jubiläumsjahr gibt es unter: www.150-jahre-max-und-moritz.de

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