Wie der Verfassungsschutz der Band Feine Sahne Fischfilet zum Durchbruch verhalf

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Antifaschisten, die Mucke machen: Die Band Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern mit Sänger Monchi (vorn).

So nette Besucher wie vorige Woche bekommt der Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern selten. Die Punkband Feine Sahne Fischfilet war mit ihrer Hamburger Plattenfirma Audiolith nach Schwerin gereist, um sich bei den Beamten für den unerwarteten Ruhm zu bedanken.

Nachdem das bis dahin unbekannte Sextett im aktuellen Verfassungsschutzbericht behandelt worden war, musste die Plattenfirma das Album „Scheitern und verstehen“ nachpressen. Das Video zur Single „Komplett im Arsch“ wurde mehr als 100 000 Mal bei Youtube angeklickt. Als Dankeschön überreichte Sänger Monchi dem Pressereferenten einen Präsentkorb aus dem Supermarkt mit Leberwurst, grünen Bohnen und dem „Antifaschistischen Infoblatt“.

Die sechs jungen Männer im Alter von 21 bis 25 Jahren aus der Kleinstadt Demmin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte verstehen sich als „Antifaschisten, die Mucke machen“. Aber dass sie plötzlich mit knapp zwei Seiten im Verfassungsschutzbericht in der Kategorie „Linksextremismus“ unter „Autonome Gruppen“ auftauchen, das hat bei Monchi Kopfschütteln ausgelöst, wie er unserer Zeitung sagt.

Weder der Nationalsozialistische Untergrund, der auch in Rostock gemordet haben soll, noch „eine einzige Naziband wurden auch nur ansatzweise so gründlich durchleuchtet“. Die Verfassungsschützer werfen Feine Sahne Fischfilet eine „explizit anti-staatliche Haltung“ vor. Außerdem kritisieren sie eine Bauanleitung für einen Molotow-Cocktail auf der Internetseite der Band.

Punk-Sound mit Ska

Tatsächlich hat die Formation, die ihren Punk-Sound mit Ska-Trompeten unterfüttert, früher ziemlichen Schwachsinn gemacht wie den Song „Staatsgewalt“, in dem es heißt: „Die Bullenhelme – sie sollen fliegen.“ Aber davon hat sich die Band längst distanziert („zu stumpf und zu peinlich“). Und das mit dem „Club-Molli“ in Anlehnung an eine „Club-Mate“-Flasche sei eine Satire gewesen.

Unerwähnt bleibt im Bericht die Zivilcourage der Musiker, die in einer Region zu Hause sind, wo Farbige besser nicht allein unterwegs sind und Neonazis vor Schulen CDs verteilen. Aus der Album-Release-Party haben Feine Sahne Fischfilet Anfang November in Demmin einen „Antifaschistischen Aktionstag“ gemacht, auf der die Linken-Landtagsabgeordnete Katharina König über die NSU referierte.

Bei den Rechten, die die Band als Stinkende Sahne Fischfilet verhöhnen, kommt so etwas nicht gut an. Sie schicken Droh-Mails und verteilten schon mal Aufkleber mit dem gespaltenen Kopf des Sängers. Dafür haben Feine Sahne Fischfilet auch beim Verfassungsschutz Sympathisanten. Bei der Präsentkorbübergabe erzählte ein Beamter, dass seine Tochter Fan sei. Für sie legten die Gäste noch einen Audiolith-Schlüsselanhänger dazu.

Feine Sahne Fischfilet spielen Freitag, 22 Uhr, mit Riot Brigade und Militante Pazifisten im Göttinger Juzi, Bürgerstraße 41. www.juzi.de

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