Das Staatstheater hat die großen Rollen der Puccini-Oper doppelt besetzt - Die neuen Stimmen überzeugen

La Bohème - sie können auch anders

Arpiné Rahdjian

Kassel. Von einem Staatstheater ist zu erwarten, dass es die Puccini-Oper „La Bohème“ aus dem eigenen Sängerensemble gut besetzen kann. Nicht selbstverständlich ist es dagegen, dass aus dem nicht übergroßen Sängerpool die großen Partien auch doppelt besetzt werden können. Schön für Kassel: Hier gibt es für die beiden Paare, Mimì und Rodolfo sowie Musetta und Marcello, jeweils zwei Besetzungen.

Schade nur, dass dafür keine echte Zweitpremiere angesetzt wurde, sondern die Wechselbesetzungen erst nach und nach zu erleben sind. In der Vorstellung am Sonntag standen aber immerhin zwei neue Darsteller auf der Bühne, für die dieser Auftritt gleichzeitig ihr Debüt am Kasseler Opernhaus war.

Mit ihrer weichen, klangvollen und dunkel timbrierten Sopranstimme verlieh Arpiné Rahdjian der Minì einen natürlichen, innigen Charakter. Und nachdem eine gewisse Anfangsnervosität überwunden war, gelang der gebürtigen Wienerin ein eindrucksvolles Porträt dieser jungen Frau, die auf unprätentiöse Weise Lebenslust und Gefühlstiefe verbindet.

Nicht ihr Liebespartner, aber ihr Vertrauter ist der Maler Marcello. Stefan Zenkl, ebenfalls aus Österreich stammend, scheint die Rolle dieser temperamentvollen Künstlerfigur auf den Leib geschneidert. Sein schlanker, geschmeidiger und wohlklingender Bariton passt dazu ebenso wie seine lebhafte Bühnenpräsenz.

In weiteren Vorstellungen werden außerdem Runette Botha als Musetta und Dong Won Kim als Rodolfo in die Produktion einsteigen. Diesmal war aber erneut Johannes An mit hellem Tenorglanz der zu Recht gefeierte Rodolfo (mit Tendenz zum Overacting bei der Sterbeszene), und Nina Bernsteiner, die anschließend mit dem Volksbühnenpreis geehrt wurde (siehe Bildkasten), brillierte erneut als Musetta.

Marco Comin stimmte das Staatsorchester gegenüber der Premiere dynamisch noch sensibler auf die Sängerbegleitung ab - doch gab es einige Wackler im Zusammenspiel mit dem Chor. Fotos: w.f.

Von Werner Fritsch

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