„Die Trojaner“ an der Deutschen Oper Berlin

Bombastischer Untergang der Welt

Gewaltig: Markus Brück als Choroebus und Petra Lang als Kassandra. Foto: dpa

Berlin. Was für ein Mammutunternehmen: „Die Trojaner“, das Opus magnum von Hector Berlioz von 1856, zu stemmen, getrauen sich wenige Bühnen. An der Deutschen Oper Berlin war man so mutig, sich um das erst 1969 erstmals in voller Länge aufgeführte Werk über den Trojanischen Krieg zu bemühen. Hut ab!

„Die Trojaner“ stehen einzigartig da in der Musikgeschichte: Zerklüftet und kontrastreicher als der „Ring“. Es gibt keine Leitmotive. Barock und Belcanto hinterließen Spuren wie die Grand Opéra, doch versuchte Berlioz Neues. Das klingt ungewöhnlich in Rhythmik und Tonalität und doch wie epischer Brei. Dann gerät die flächige Musik in Bewegung, wird laut und bombastisch, aber (leider) nicht dramatisch. „Pòeme lyrique“ nannte Berlioz seine Dichtung, bei der entweder 80 Leute singen oder Solisten maßlose Monologe halten.

Donald Runnicles am Pult gelingt ein glänzendes Premierendebüt, die Orchester-Solisten zu Höchstleistungen animierend. Grandios zur Seite steht ihm der Chor. Das Regieteam zieht an einem Strang, alles sitzt und wirkt wie aus einem Guss: die zweckmäßige Bühne, prächtige Lichtgestaltung, schöne Kostüme und die einfühlsame Choreografie. Heraus kristallisiert sich eine bedrückende Geschichte von Krieg und Gewalt, die zum Weltuntergang und Selbstmord der Frauen führt.

In gut fünf Stunden lauscht man den Kassandra-Rufen Petra Langs, welche die Katastrophe Trojas vorhersieht. Die andere mörderische Mezzo-Partie der Dido bewältigt Béatrice Uria-Monzon sehr achtbar als anrührend menschliche Königin der Karthager. Die Männer bleiben eindimensional. Einzelne kämpfen sich mehr schreiend als singend durch ihre holzschnittartigen Partien. Heldentenor Ian Storey überzeugt als stählerner Krieger Aeneas, dem seine Mission, in Italien Rom zu gründen, wichtiger ist als die Liebe.

So kompliziert die Historie, so einleuchtend hat Pountney inszeniert: bildmächtig und aussagekräftig. Wenn man etwas bemäkeln will, ist es die Komposition.

Wieder am 11., 16., 19. 12. und im März. Tel. 030-34384343. www.deutscheoperberlin.de

Von Andrea Hilgenstock

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