Die Brüder Axel und Torsten Zwingenberger lassen die Luft bei ihrem Konzert im Theaterstübchen brennen

Der Boogie-Woogie-Zug in voller Fahrt

Kongeniales Duo: Pianist Axel und Schlagzeuger Torsten Zwingenberger beim Auftritt im Theaterstübchen. Fotomontage: Fischer

Kassel. Explosiv, dynamisch, mitreißend - all das wären nur allgemeine Floskeln, die das umschreiben, was die Zuhörer am Donnerstagabend im Theaterstübchen erlebten. Der Meister des Boogie-Woogie, Axel Zwingenberger, verwöhnte das Publikum mit allem, was sein Genre hergibt. Doch damit nicht genug, denn der Pianist bestreitet das Konzert mit seinem Bruder, dem Jazz- und Bluesschlagzeuger Thorsten Zwingenberger. Gemeinsam touren sie als die „Boogie Woogie Brothers“ durch die Weltgeschichte und begeistern seit 1973 das Publikum ähnlich dem in Kassel.

Die beiden Brüder legen direkt los, lassen die Stimmung von null auf hundert in null Komma nix steigen. Schon mit dem Pionierstück des Boogie- Woogie von Hersal Thomas, dem „Suitcase Blues“, beweisen die beiden Musiker, dass sie nicht nur den Wegbereitern Tribut zollen, sondern dass sie selbst zu den Größen mit Weltniveau in der Szene gehören. Während Axels linke Hand die Off-Beats in die Tasten hämmert, schwingt sich seine rechte in schwindelerregendem Tempo zu immer neuen Tremoli und Triller-Variationen auf.

Torsten fundamentiert die Beats und scheint dabei mit dem Schlagzeug zu verschmelzen. Als Intro für den „Honkytonk Train Blues“ bringt der Jazzdrummer eine Dampflok in Bewegung und gibt eine Vorstellung seiner eigens entwickelten Schlagzeugtechnik, die er „Drumming 5.1“ nennt. Dabei bedient er fünf Fußmaschinen oft simultan. Und ist der Zug erst einmal ins Rollen gebracht, gibt es so schnell keinen Halt mehr. Donnernd rattert er durch „Londons Beat“, macht einen Abstecher zum „Sheik (Scheich) Of Araby“ und erreicht nach der Pause sogar Ouagadougou, die Hauptstadt Burkina Fasos.

Unterhaltsam und mit spitzbübischem Humor erzählt Axel zwischendurch etwas über die Stücke und ihre Entstehung. Tiefe Einblicke in die Musikerseele lassen die Entstehungsgeschichten der Stücke zu. So bringt ihn der Lärm der Lexington Avenue etwa nicht dazu, nachts die Wände hochzugehen, sondern dazu, einen neuen Song darüber zu schreiben.

Zum Schluss hatte sogar das Publikum nur noch die Kraft, sich eine Zugabe zu erklatschen, nach fast drei Stunden kochender Emotionen gingen alle beschwingt nach Hause.

Von Kirsten Ammermüller

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