Interview: Sänger Axel Bosse arbeitet gerade an einem neuen Album

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Sänger Bosse

Sänger Axel Bosse spricht im HNA-Interview über Krikelkrakel-Tätowierungen und sein asoziales Schreibverhalten.

Wenn Sänger Bosse zu seinen Konzerttouren aufbricht, spielt Kassel dabei eine zentrale Rolle. Dort hat er sein Lager, sagt er. Wo genau das ist, behält er für sich. „Unser Bus, unser Nightliner, startet immer von Kassel“, sagt er. Am Dienstag, 14. März, muss der Bus nicht weit fahren, denn dann tritt Bosse in der Stadthalle auf.

Bosse der Wortgewaltige: Trösten Sie mich mit einem Satz.

Bosse: Ähm... „It’s better to burn out than to fade away“ (Anm. d. Red.: Das Zitat stammt aus dem Bosse-Song „Die schönste Zeit“. Bedeutet soviel wie: „Es ist besser auszubrennen als zu verblassen.“)

Auf Ihrer Facebookseite war zu lesen, dass sie gerade in Schreibhausen sind. Die Arbeit am neuen Album läuft also?

Bosse: Ja. Aber eigentlich höre ich nie auf mit dem Schreiben, nur fehlt mir jetzt öfter die Zeit. Jetzt habe ich anderthalb Monate Luft, bis wir wieder für die Wintertour proben. Und ich habe Bock. Wenn es zu viel Bühne und zu viel Gelaber ist, dann wird es Zeit, sich zurückzuziehen. Ich habe schon ein paar Ideen.

Wenn aus diesen Ideen was wird, gibt es davon in Kassel was zu hören?

Bosse: Wenn ich es bis März nicht schaffe, mal eine vernünftige Nummer zu schreiben, weiß ich auch nicht mehr. Es kommt darauf an, wie gut wir im Proben sind. Bei der Frühjahrstour werden wir neue Songs ausprobieren.

Was kostet mehr Kraft: Schreiben oder Konzerte?

Bosse: Es sind ganz unterschiedliche Kräfte, die da walten. Das eine drückt in der Birne und das andere im Körper. Im besten Falle drückt aber gar nichts von beidem. Beim Schreiben setze ich mich mit mir auseinander. Dann bin ich sehr asozial und sitze einfach über meinen Texten. Auf der Bühne ist alles sehr körperlich. Ich lasse los.

Wie groß war das Hurra-Gefühl, als das Engtanz-Album auf Platz eins der Charts landete?

Bosse: Es war total überwältigend. In solchen Momenten muss man auch mal kurz innehalten. Wir haben zwei Jahre an dem Album gearbeitet. Ich habe es im Zug erfahren, mir einen Rotkäppchensekt aufgemacht und mich total besoffen (lacht).

Weiß man eigentlich während der Tour noch, in welcher Stadt man gerade auf der Bühne steht?

Bosse: Nein. Früher war das anders, da wusste man, in Leipzig können alle gut zuhören und in Kassel gut tanzen. Das war, als noch so drei Leute vor der Bühne waren.

Sie positionieren sich klar gegen Rechts. Kann ein Bosse-Lied Skinheads zur Vernunft bringen?

Bosse: So ein krasser Altnazi würde mir lieber in die Fresse hauen, als sich von mir überzeugen zu lassen. Aber ich habe die Möglichkeit, mich vor vielen Leuten öffentlich zu äußern. Ich stehe für Empathie und was Buntes. Und ich gehe immer noch davon aus, dass die dümmsten Menschen die sind, die denken, dass sie geiler sind als andere.

Es gibt Leute, die sich Tattoos mit Ihren Liedtexten stechen lassen. Was würden Sie sich stechen lassen?

Bosse: Ich würde mir Wu-Tang auf den Arsch tätowieren lassen. Ich habe mich mit 14 von meinem Kumpel Pelle tätowieren lassen. Ich war sein erstes Opfer. Tolle Erinnerung: Krikelkrakel. Er ist jetzt in New York ein angesagter Tätowierer und ich habe noch einen Termin offen. Vielleicht gibt es eine halbseitige Ganzkörpertätowierung.

Ein Song auf ihrem Album heißt „Nachttischlampe“. Was ist Ihre letzte Tat, bevor Sie sie ausknipsen?

Bosse: Ich lese - gerade die Biografie von Bruce Springsteen. Sie ist dick und man muss ganz schön stemmen, wenn man die im Bett liest. Die ist richtig gut - auch für Bizeps und Trizeps.

• Bosse in Kassel: Dienstag, 14. März, 20 Uhr, Stadthalle, ab 38 Euro. HNA-Kartenservice: 0561/203204. 

Stichwort: Cobain-Zitat

„It’s better to burn out than to fade away“: Die Zeile wurde dadurch bekannt, weil Kurt Cobain sie 1994 in seinem Abschiedsbrief zitierte. Sie stammt ursprünglich aus dem Stück „Hey Hey, My My“ von Neil Young.

Zur Person: Bosse

Mit 16 Jahren ist Axel (Aki) Bosse, der aus Hemkenrode (Niedersachsen) stammt, ausgezogen, um Musik zu machen. Würde seine Tochter (10 Jahre) auf diese Idee kommen, würde er sie ziehen lassen, so der 36-Jährige. Sein sechstes Album „Engtanz“ erschien im Frühjahr, es erreichte als erstes Bosse-Album Platz eins der deutschen Charts. Bosse lebt mit Frau und Tochter in Hamburg.

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