Mit Westbam kommt morgen der Superdaddy aller DJs zum Kasseler Discofestival

Die Botschaft ist bum, bum, bum

Ein Mann der klaren Worte: Maximilian Lenz alias Westbam. Foto: nh

Kassel ist die Stadt der Kunst und Ausstellungshäuser, und an diesem Samstag wird gewissermaßen ein weiteres Museum eröffnet. Es heißt Discofestival und findet in den Messehallen statt. Mehr als 10 000 Besucher werden sich die lebenden Exponate anschauen, die unter den Namen Disco Boys, Markus Kavka und Die Atzen ausgestellt und die Vernissage mit lauter Techno- und Housemusik beschallen werden.

Die größte Attraktion des Festivals, das zum sechsten Mal stattfindet, ist Westbam. Der DJ wird als „Godfather der elektronischen Musik“ angekündigt und hat popkulturell schon fast alles erlebt. Er wurde 1965 im westfälischen Münster als Maximilian Lenz geboren und gehörte zur ersten Generation, die antiautoritär erzogen wurde. Als Kind demonstrierte er gegen den Vietnamkrieg, später entdeckte er den Punk, und in den Achtzigern erfand er den Techno mit. „Ich bin das wandelnde Museum der deutschen Jugendbewegungen“, sagt der 45 Jahre alte Berliner.

Techno wurde zuletzt immer wieder für tot erklärt, aber man muss sich nur Westbams Terminkalender anschauen, um zu erkennen, dass elektronische Musik auch 21 Jahre nach der ersten Loveparade weiterlebt. Heute legt er in Moskau auf. Nach dem Wochenende in Kassel geht es nach Zürich, und Ende April ist er einer der Stars bei der Mayday-Party in Dortmund, dem mit bis zu 30 000 Besuchern größten deutschen Hallen-Rave.

Das Kasseler Discofestival muss sich dahinter nicht verstecken - auch wenn es eine Nummer kleiner ist. Schon vor zwei Jahren brachte Westbam die Massen dort mit beinharten Tracks zum Ausrasten. Den Spagat zwischen Underground und Mainstream versteht er wie kein Zweiter. Die Tracks des „Superdaddys aller DJs“ (Benjamin von Stuckrad-Barre) sind eher unkommerziell, trotzdem trat er 2004 beim Vorentscheid zum Bundesvision Song Contest auf.

Seine Art des Sampling, also aus Konserven etwas Neues zu schaffen, nennt der Mann, der wegen seines Vorbilds Afrika Bambaataa von Freunden Westfalica Bambaataa getauft wurde, „Record-Art“. Vor drei Jahren schaute er auf sein Gesamtwerk zurück, das 1985 mit der Single „This is Not A Boris Becker Song“ begann, in dem er über Sprachschnipsel des Tennishelden eingängige Beats legte. Zum ersten Mal spielte er seine Musik mit einer Rockband ein. Im Museum, sagte er damals, sähe er sein Werk noch nicht.

Vermutlich passt es auch viel besser in eine Kirche als in ein Museum. In einer Bassdrum, glaubt Westbam, könne man sich ebenso geborgen fühlen wie im Glauben: „Die Heilsbotschaft der katholischen Kirche ist Jesus Christus, die Heilsbotschaft von Techno ist bum, bum, bum.“

Discofestival mit Westbam, Disco Boys, Boris Dlugosch, Markus Kavka, Ziel 100, den Atzen und vielen anderen: Morgen, 21 Uhr, Messehallen Kassel. Karten: www.discofestival.de

Von Matthias Lohr

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