Das „Theater am Fluss“ spielt Dea Lohers „Diebe“ - Stürmischer Premierenapplaus im Dock 4

Boulevard zerbrochener Träume

Gestrandet wie alle anderen: Finn Tomason gespielt von Jörg Hapke. Foto: Malmus

Kassel. Die Supermarktverkäuferin Monika gestattet sich vorsichtige Euphorie. Ihr Chef hat angedeutet, sie könne, wenn sie sich weiterbilde, aufsteigen. Monika ist ehrgeizig, lernt beharrlich, sieht ihre Familie kaum noch. Doch zum Schluss ist der Traum zerplatzt. Das Projekt zerschlägt sich, die junge Frau mit den großen Plänen wird entlassen, und auch ihre Ehe zerbricht. Zuletzt sehen wir sie apathisch im Krankenhaus, mit einer Kugel im Kopf.

Dea Lohers Erfolgsstück „Diebe“ erzählt von solch zerplatzten Träumen. Menschen, die „sich durch ihr eigenes Leben hindurchstehlen, als lebten sie nicht. Als ob wir Diebe wären“, sagt eine Frau, die immer noch auf ihren Mann wartet, obwohl er sie vor 43 Jahren verlassen hat.

Oder die noch nicht volljährige Mira. Sie erwartet ein Kind von dem in der Mitte seines Lebens stehenden Bestattungsunternehmer Josef Erbarmen. Der wird zum Schluss mit der Bratpfanne erschlagen, weil er auf der Suche war nach Miras Herkunft. Man muss doch wissen, wo man seine Wurzeln hat.

In 37 lose aneinander gehängten Episoden verknüpft Deutschlands derzeit erfolgreichste Dramatikerin Dea Loher das Schicksal ihrer zwölf Figuren: Sie begegnen sich als Paare und Passanten auf dem Boulevard zerbrochener Lebensentwürfe. Jammergestalten mit dem Mut zum Überleben, die von Regisseur Viktor Dell mit leichter Hand dirigiert werden.

Auf der karg möblierten Bühne des Dock 4 spielen die Laienschauspieler des „Theater am Fluss“ den pechschwarzen Witz aus ihren Figuren heraus: Ein gut aufgelegtes Ensemble, das durch die präzise Figurenführung Dells und seine genaue Choreografie zuweilen glänzende Miniaturen erarbeiten kann: Wie die von dem Mann, der eines Morgens seine Wohnung nicht mehr verlässt, niemand wird ihn vermissen.

Ein Stück von erbarmungsloser Heiterkeit, eine Parabel vom gestohlenen Leben. Am Ende stürmischer Applaus für die, die Theater lieben und Theater spielen.

Die Akteure

Es spielen Jörg Hapke, Gülce Fitzek, Klaus Fischbach, Rene Spitzer, Annette Eisenmann, Gerrit Reinecke, Annika Zaich, Gunther Burfeind, Andrea Glowig, Jeannine Kollatz, Frank Böck, Erna Fertinger.

Wieder am am14., 15. Okrober, 20 Uhr, und 16. Oktober, 17 Uhr, Gleis 1, Kartentelefon: 05651/ 7664240, post@theater-am-fluss.de

Von Juliane Sattler

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