Neu im Kino: Liam Neeson und Diane Kruger im Thriller „Unknown Identity“

Die Bourne-Imitation

Wird im Job und im Privatleben durch einen Doppelgänger ausgetauscht: Dr. Martin Harris (Liam Neeson) mit seiner Frau Elizabeth (January Jones). Fotos: Kinowelt

Keine Frau. Keinen Pass. Keine Identität. Als Martin Harris (Liam Neeson) nach einem Autounfall im Krankenhaus aus dem Koma erwacht, hat sich sein ganzes Leben aufgelöst.

Der amerikanische Professor war mit seiner Frau (January Jones) auf dem Weg zu einer biotechnischen Tagung in Berlin, als er an der Hotelrezeption merkte, dass er seine Aktentasche am Flughafen hat stehen lassen. Ohne ein Wort der Erklärung hatte er sich in das nächste Taxi geschwungen, das wenig später von der Fahrbahn abkam und in der Spree versank. Die Taxifahrerin Gina (Diane Kruger) zog den bewusstlosen Mann aus dem Wasser und verschwand, als der Krankenwagen nahte.

Als Harris vier Tage später aus dem Hospital ins Hotel kommt, beteuert seine Frau, ihn nicht zu kennen und befindet sich in Begleitung eines ganz anderen Mr. Harris. Auch auf der Website seines Instituts ist das Foto von ihm durch das Bild des Doppelgängers ersetzt worden. Im klirrend kalten Berliner Winter macht er sich auf die Suche nach seiner verloren gegangenen Identität.

Gemeinsam mit der bosnischen Taxifahrerin Gina und dem ehemaligen Stasi-Offizier Ernst Jürgen (Bruno Ganz) kommt Harris auf die Spur einer Verschwörung. Für die verbindet das Drehbuch einen arabischen Prinzen, eine gentechnisch entwickelte Getreidesorte, eine Handvoll Finsterlinge und eine tickende Bombe auf sehr gewagte Weise.

Unübersehbar wandert der spanische Regisseur Jaume Collet-Serra („Das Waisenkind“) in „Unknown Identity” auf den Spuren der „Bourne”-Filme, in denen die Suche des einsamen Helden nach seiner wahren Identität ebenfalls als Antriebsmotor für einen rasanten Actionfilm vor europäischer Kulisse diente. Nur dass hier nicht der Protagonist sein Gedächtnis verloren hat, sondern sich der Rest der Welt partout nicht mehr an ihn erinnern will.

Mit Liam Neeson hat Collet-Serra einen Star unter Vertrag, der viel darstellerische Integrität ausstrahlt und in der Vergangenheit schon so manch dürftigen Actionfilm zu unverdientem Glanz verholfen hat. So auch in „Unknown Identity“, der ohne Neesons Präsenz so schnell untergehen würde wie das Taxi in der Spree.

Collet-Serra zeigt zwar in den Actionsequenzen solide handwerkliche Fähigkeiten und weiß auch die Berliner Kulisse für sein kaltes Film-noir-Setting zu nutzen. Aber gegen den hanebüchenen Plot und das löchrige Drehbuch, das am Ende ein Kaninchen nach dem anderen aus dem Hut zaubert, hilft das Charisma des Hauptdarstellers genauso wenig wie Diane Kruger. Sie gerät als mit allen Wassern gewaschene bosnische Immigrantin wieder ganz nah an die Grenzen ihres bescheidenen schauspielerischen Vermögens.

Genre: Thriller

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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