Brachial und begeisternd: Sick Of It All in der Kulturfabrik Salzmann

Faust hoch zum Pamphlet: Lou Koller (links) und Sick Of It All sorgten in Kassel für Begeisterung. Foto: Neutze

Kassel. Keine Schminke, keine Allüren, keine Alterserscheinungen: Bei ihrem Gastspiel in der Kulturfabrik Salzmann beweisen die Hardcore-Pioniere Sick Of It All und Shai Hulud, dass sie auch mit insgesamt 40 Jahren Bandgeschichte noch immer zum Nonplusultra ihres Genres zählen.

Eröffnet wird der Abend von den Kasselern Today Forever, die mit ihren melodiösen Songs immerhin anerkennendes Im-Takt-Nicken ernten. Weniger Abwechslung, dafür mehr eigene Fans haben All For Nothing im Gepäck. Die Niederländer liefern das perfekte Geknüppel, um Hände, Füße und andere Konzertgänger durch die Luft zu wirbeln.

Den ersten Höhepunkt setzen Shai Hulud. In Genrekreisen verehrt, von Plattenkäufern verschmäht, erreicht die US-Band auch in Kassel einen eher kleinen Kreis der etwa 500 Gäste. Dennoch: Nach 15 Jahren auf spärlich besuchten Touren hat ihr Mix aus Metal, Melodien, Punk und Polyrhythmen nichts von seiner Wucht verloren. Statt sich in ideenloses Gebolze zu flüchten, spielen Shai Hulud lieber noch zwei Hooklines auf drei Fünfviertel-Takte, für die so manche Danceband ihre Synthesizer versetzen würde.

Mit der Zurückhaltung des Publikums ist es vorbei, als Sick Of It All mit ihrer brachialen Eröffnung „Clobbering Time“ die Wände der Kulturfabrik wackeln lassen. Mit ihren Songs liefern die New Yorker seit 25 Jahren die Blaupause für tausende Hardcorebands. 25 dieser Stücke hauen sie dem Kasseler Publikum in beeindruckenden 60 Minuten um die gepiercten Ohren. Alte und neue Klassiker wie „Die Alone“ und „Scratch the Surface“ werden aus Hunderten Kehlen mitgegrölt. Fans tanzen und fliegen zur Bühne, auf der Gitarrist Pete Koller seinen Bruder Lou umzirkelt, während dieser seine Pamphlete ins Mikrofon keift.

Politik, Polizei, Gott und die Welt – für alle hat er etwas übrig. Jeder Song endet in tosender Begeisterung, vor und auf der Bühne. Lou Koller bleibt am Ende nicht viel anderes zu sagen als „Wow“. Das kann man nur zurückgeben.

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