Brillant und sexy: Die Electro Deluxe Big Band im Kasseler Kulturzelt

Geben auf der Bühne alles: Bassist Jérémie Coke, Dirigent Thomas Faure und Sänger James Copley vor der Big Band. Foto:  Malmus

Richtig tanzt, wer so schaut, als würde er gerade einen französischen Käse riechen: Ein bisschen erstaunt, ein bisschen überwältigt, die Hände in die Hüften gestützt und mit diesem coolen, wissenden Zug um die Mundwinkel.

Sänger James Copley hat am Donnerstagabend das begeisterte Publikum im Kasseler Kulturzelt beim Auftritt der Electro Deluxe Big Band nicht nur mit dieser Aufforderung zum Mitmachen und Mitfeiern gebracht: Oh là là!

Die Ausnahmeband unter Leitung von Arrangeur und Tenorsaxofonist Thomas Faure überzeugte mit glasklarer Transparenz, mit einem feinen, detailreichen Klangbild und mit unfassbar vielseitigem Farb- und Stimmungsreichtum. Ein brillantes Konzertereignis, das schon jetzt Maßstäbe für die aktuelle Festivalsaison setzt.

Als die französische Big Band mit „Comin’ Home“ ihren Vorzeigetitel ankündigte, begann die Posaunengruppe mit einer Schrammelversion des Country-Klassikers „Green Green Grass of Home“, die klang wie von einer Beerdigungskapelle aus New Orleans geblasen – um dann in einen geschmeidigen Big-Band-Klang voller Kraft und tiefgründiger Süße anzuschwellen. Wichtiger Richtungsgeber hierbei: Keyboard-Meister Gael Cadoux, der am Fender Rhodes zwischendurch immer wieder für eine Akustikportion wunderbarer Motown-Nostalgie sorgte.

Zwischen rasierklingenscharfen Bläserlinien und Funkbass, zwischen langsameren Titeln im Soulgewand und heftiger Mitklatsch-Animation nach James Copleys goldener Regel: Wenn du die Mädchen zum Tanzen bringen willst, klatsch nicht auf 1 und 3, sondern auf 2 und 4 – boten die schneidigen Franzosen ein extrem abwechslungsreiches Programm.

Ihr Frontmann erwies sich als Rampensau im besten Sinn, als großartiger Entertainer mit Charisma und einer eleganten Sexyness, die an Filmstars wie Jason Statham und George Clooney erinnerte. Selbst bei den Instrumentaltiteln wippte Copley am Bühnenrand herum, traktierte immer mal beiläufig das Schlagzeug, tanzte unablässig.

Und plötzlich schlich sich ein Disco-Klassiker aus den 70ern ins dreiviertelvolle Kulturzelt ein: Die Electro Deluxe Big Band verpasste „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees eine Kur im Verjüngungsbad des Funk. Und spätestens als dann die Bläser einsetzten, gingen musikalisch alle Lichter an.

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