Jubiläumskonzert des Ensembles „in process“ im Gießhaus

Brillante Botschafter

25 Jahre „in procress“: (von links) Ensemble-Leiter Ulli Götte, Jörg Müller-Fest und Michael Mantel setzen in ihrer Musik auf Minimalismus. Foto:Schachtschneider

KASSEL. Wir sind minimal. Die beliebte journalistische Phrase „Wir sind ...“ darf man scherzhaft, aber mit gutem Grund so abwandeln. Denn Kassel ist eine Hochburg der Minimal Music. Dass dieser Musikstil, der ab 1960 in den USA entstand, eine stattliche Anhängerschaft bei uns hat, verdankt sich dem Ensemble „in process“. Vor 25 Jahren wurde es gegründet. Und es vermag nach wie vor das Publikum zu Bravos zu animieren - wie beim Jubiläumskonzert im voll besetzten Gießhaus der Universität.

Der Konzertauftakt war das Gegenteil der Abschiedssinfonie: Nach und nach kamen fünf Mitglieder der zwölfköpfigen Formation in den Saal, spielten mit Claves (Holzklangstäben) Steve Reichs „Music for Pieces of Wood“ ein Stück, das schon beim ersten Auftritt im Juni 1985 erklungen war. In seiner Begrüßung brachte Oberbürgermeister Bertram Hilgen dann seine „maximale Wertschätzung“ zum Ausdruck: Als Kulturbotschafter habe „in process“ unsere Stadt weit ins Land und darüber hinaus getragen.

Brillante Botschafter der Minimal Music waren die Holzbläser, Streicher, Schlagwerker und Keyboarder um den Ensemble-Leiter Ulli Götte auch diesmal. Denn ihr Konzert spiegelte die vielen Facetten des Minimalismus wider. Reduktion, Wiederholung und allmähliche Veränderung sind zwar wesentliche Elemente, aber keineswegs die einzigen. Minimal Music ist ein farbenprächtiges, weltumfassendes Genre und kann ebenso perkussiv wie verträumt romantisch klingen.

So gab es neben Werken der Pioniere Reich und Philip Glass einen indischen Tanz und Kompositionen von Ulli Götte. Das Prinzip der graduellen Veränderung hat Götte durch wirkungsvolle Kontraste erweitert. Wobei „Parsek“, das in ehrwürdiger Fugato-Technik beginnt, mehr klassisch getönt ist, während „Prisma“ auf raffinierte Weise wie Jazz groovt. Auch die Schubladen E und U lässt die Minimal Music hinter sich.

Viel Beifall für Ulli Götte, Constanze Betzl, Judith Gerdes, Thomas Boll, Sören Gehrke, Bettina Weber, Regine Brunke, Jörg Müller-Fest, Tilman Scheer, Peter Arens, Sabine Schmitz und Michael Mantel. Vor dem Sektempfang servierten die Musiker Göttes „Hymnus“ als fröhliche Zugabe. Im September und Dezember folgen weitere Jubiläumskonzerte.

Von Georg Pepl

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