Das Buch des Kasseler Regisseurs Horst Müller

Brillanter Blick auf 50 Jahre Theater

Die Darsteller immer im Blick: Horst Müller. Foto:  Lantelme/nh

Kassel. Vor exakt 50 Jahren feierte Horst Müller sein Debüt als Schultheaterregisseur. Sein Bühnenabenteuer begann an der Herderschule, mit dem „Lügner“ von Carlo Goldoni - und wenn man seinen Worten glauben darf, so endet es mit „Theater freihändig“, einem brillant formulierten Rückblick auf nahezu ein halbes Jahrhundert Theaterarbeit, zunächst mit Schülern, später mit Studenten, zum Schluss Generationen übergreifend.

Müller ist 1929 in Kassel geboren, hat in Freiburg und Göttingen studiert und dort auch promoviert. Als Lehrer arbeitete er in Fritzlar, an der Herderschule, der Deutschen Schule Istanbul sowie bis 1991 am Wilhelmsgymnasium. Im selben Jahr hat er das Kasseler Studententheater gegründet, 2000 das Kasseler Amateur- und Studententheater.

Die gelungene Mischung des Buches aus Wort und Bild schenkt dem Theatergänger plastische Déjà-vus, dem Theatermuffel den Verdacht, vielleicht doch gelegentlich etwas versäumt zu haben.

Die Palette der Genres, denen er sich zugewandt hat, ist umfassend. Sie reicht vom Kabarett bis zum großen Klassiker, vom Balladenabend bis zur Revue, in den letzten Jahren hat er vermehrt auch als Autor fungiert. Doch Müller belässt es nicht bei der puren Chronologie. Immer wieder streut er Reflexionen ein über Inszenierungsstile und bezieht Stellung.

Die Attitüde des „Klassikerzertrümmerns“, die Eliminierung des Texts zugunsten körperlicher Aktion, ist sein Ding nicht, das macht er klar. Er outet sich als Mann der Sprache, ohne freilich dem bloßen Deklamieren das Wort zu reden.

Seine Sottisen am Rande sind amüsant und authentisch zugleich: Streitbarkeit war immer ein Charakterbestandteil dieses „alten Theaterhasen“, und sie hat zum Glück in seinem Resumee keiner wesensfremden Abgeklärtheit Platz gemacht. Ob „Theater freihändig“ tatsächlich das letzte Wort des zweifachen Familienvaters, der auch vier Enkelkinder hat, in Sachen Theater bleibt, darf bezweifelt werden.

Horst Müller: Theater freihändig. 144 Seiten mit Bildern, 20 Euro, Buchhandlung am Bebelplatz oder direkt beim Autor via E-Mail: doc.horstmueller@t-online.de

Von Verena Joos

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