Neu im Kino: George Clooneys Polit-Thriller „The Ides of March - Tages des Verrats“

Das Bröckeln der Ideale

Der Denker und sein Kandidat: Wahlkampf-Stratege Stephen (Ryan Gosling) mit einem Plakat des Gouverneurs Mike Morris (George Clooney) im Stil des berühmten Barack-Obama-Plakats von Streetart-Künstler Shepard Fairey. Foto:  dapd

Politik ist das, was sich hinter der Bühne abspielt. Da, wo die Wahlkampfmanager taktieren. Da, wo die Politiker geschminkt und instruiert werden, bis sie erst recht wie abziehbildhafte Politikerdarsteller wirken, da wo bei mächtigen Strippenziehern Spenden erbettelt werden.

George Clooney begibt sich in seiner vierten Regiearbeit in diese Hinterzimmer der Macht im US-Wahlkampf. „The Ides of March - Tage des Verrats“ ist ein altmodisch-elegant in Szene gesetzter Polit-Thriller, dessen Titel an das Komplott erinnert, dem im antiken Rom Gaius Julius Cäsar zum Opfer fiel.

Clooney selbst spielt jenen Gouverneur Mike Morris, der in Ohio gegen einen anderen demokratischen Präsidentschaftskandidaten antritt. Doch Strahlemann Clooney, der genau die staatsmännische Ausstrahlung hat, die so ein Typ braucht, übernimmt selbst nicht die Hauptrolle in diesem soliden Thriller, dessen einzige Schwächen sind, dass er ein wenig zu dick aufträgt und sich ein gewisses Pathos nicht verkneifen kann.

Die Hauptrolle übernahm Ryan Gosling, der zurecht als Oscar-Anwärter gehandelt wird. Er ist Stephen, der Denker in Morris’ Tross. Ein blitzgescheiter junger Mann, der hat, was im Wahlkampfbetrieb rar ist: Ideale. Seinem Vorgesetzten, Wahlkampfleiter Paul geht das ab: Ihm geht es ums Gewinnen, mir geht es um die Sache, erklärt Stephen.

Politik wird in Hotelbars, Turnhallen und Treppenhäusern gemacht, und manchmal auch im Bett - wo Stephen ausgerechnet beim Sex mit der Praktikantin entdeckt, dass der Kandidat kein Saubermann ist, sondern eine folgenschwere Affäre hatte.

Wie daraufhin Stephens Idealismus krümellos zerbröckelt, bis nur noch Zynismus und Berechnung übrig sind, exerziert der Film in einer einzigen Abwärtsspirale durch. Die hochkarätige Besetzung ist dabei der größte Trumpf in diesem wortorientierten Szenario.

Philipp Seymour Hofmann spielt den skrupellosen Haudegen Paul, Paul Giamatti dessen Gegenspieler, den Wahlkampfleiter des Parteikonkurrenten. Allein die Eingangsszene, wie sich beide hinter der Bühne grüßen, wo ihre Chefs sich ein Rededuell geliefert haben, ist großes Kino: Geschafft und ein wenig hinterhältig nicken sie sich zu, das Grinsen nahe am mörderischen Zähnefletschen.

Genre: Thriller

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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