Neues Album „(Sic!)“

Broilers bieten Punk mit Herz und Hirn

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Die Band Broilers hat ein neues Album herausgebracht.

München - Auf ihrem neuen Studioalbum „(Sic!)“ gibt sich die Düsseldorfer Punk-Band Broilers politischer denn je - und auch musikalisch hat das Quintett an Format und stilistischer Bandbreite gewonnen.

Die Broilers sind der singende Beweis dafür, dass ein missglückter Bandname trotzdem zum Erfolg führen kann. Im Fachjargon steht Broiler ja für Masthuhn, umgangssprachlich für Brathähnchen. Trotzdem hat die deutsche Punkrock-Gemeinde zunehmend Appetit auf die bereits 1994 in Düsseldorf gegründete Band. Das dürfte sich auch bei ihrem neuen, erstmals auf ihrem bandeigenen Schallplattenlabel „Skull & Palms Recordings“ erscheinenden Album „(Sic!)“ zeigen, mit dem sie an das Nummer-eins-Vorgängeralbum „Noir“ aus dem Jahr 2014 anknüpfen wollen.

Die Chancen für einen weiteren Volltreffer stehen gut. Aus verschiedenen Gründen: Zum einen schüttelt die Band um Sänger und Songschreiber Sammy Amara erneut eine ganze Reihe zündender, energiegeladener Punkrock-Songs mit hymnisch eingängigen Refrains aus dem Ärmel. Titel wie „Nur ein Land“ oder „Bitteres Manifest“, die zwei Auftakt-Lieder der neuen CD, belegen zudem das hohe handwerkliche Niveau der Formation. Zum anderen erweitern sie auf „(Sic!)“ das zwar kraftvolle, aber auch stereotype Rhythmusgefüge des Punks nicht nur um bandtypische Ska-Klänge („Woran glauben?“), sondern auch um erstaunlich moderate, schon fast an Punk-Pop erinnernde Songs.

Das beste Beispiel für die neue Gefühls-Facette im Klangbild der Band bildet „Ihr da oben“. Der Titel ist - ausnahmsweise - nicht politisch gemeint, sondern bildlich. Geht es dabei doch um den Verlust von liebgewordenen Menschen: „Es kann dabei um verstorbene Musiker, wie Joe Strummer oder David Bowie, gehen. Aber auch um irgendjemanden, der einen Menschen verloren hat und ihn jetzt vermisst“, sagt Sammy Amara. Jeder könne den Text individuell interpretieren, ergänzt der Chef und kreative Motor der Formation.

Geht es um das Entwerfen von Inhalten, Bildern und Metaphern in Liedtexten, beginnt für Sammy Amara die schwerste Arbeit seines Komponisten-Daseins. Das Texten sei für ihn jedenfalls weitaus schwieriger als das Erfinden von neuen Melodien und Harmonien. „Manchmal quäle ich mich wochenlang mit drei Wörtern herum, die einfach nicht so richtig passen wollen“, sagt der im Rheinland aufgewachsene Sohn eines Irakers und einer Hessin.

Inspirationen für seine Songtexte findet er so gut wie überall: beim Lesen, beim Fernsehschauen, beim Musikhören. Man müsse nur aufpassen, dass man nicht zu nah an der Inspirationsquelle sei, sagt er. Nah, aber nicht zu nah sei er bei dem Titel „Keine Hymnen Heute“ an dem Ideengeber dran gewesen - der, für eine Punkband allemal erstaunlich, der deutsche Schriftsteller und Dichter Johann Gottfried Seume war. Das Zitat „böse Menschen haben keine Lieder“ des Dichters aus dem 18. Jahrhundert gab für den Broilers-Song die Steilvorlage. „Ich glaube, das ist einer meiner besten Songs überhaupt“, freut sich Amara.

Nachdenklichkeit zeichnet ohnehin fast jeden der 13 neuen Songs aus. Gedanken über „aus dem Boden schießende Populisten“, über die vielen Facetten des täglichen Rassismus, den fortschreitenden Rechtsruck, das Verlieren von liberalen Idealen. Inhalte, die den fröhlichen Punkklängen der Band als Kontrapunkt dienen - und dem Punk eine verloren geglaubte gesellschaftspolitische Komponente erneut zuführt.

dpa

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