Bruce Springsteen las aus seiner Autobiografie

Wirkte topfit: Bruce Spring-steen. Foto: dpa

Frankfurt. Bruce Spring-steen hatte diesen Traum, als er noch ein Teenager war: Die Rolling Stones spielen in seiner Heimatstadt in New Jersey und Mick Jagger wird krank. Die Stones finden gleichwertigen Ersatz: eben jenen Bruce Springsteen.

Der Mann, den sie den „Boss“ nennen, hat diesen Abschnitt aus seiner Autobiografie „Born to Run“ bei einem Pressegespräch mit knapp 150 Journalisten am Rande der Frankfurter Buchmesse vorgelesen. Der Verlag hatte das Treffen unter strenger Geheimhaltung organisiert.

Eine Stunde lang las er, plauderte mit dem Radiojournalisten Thomas Steinberg und beantwortete einige wenige Fragen. Zum Beispiel die nach Bob Dylan, der offenbar den Anruf des Nobelpreis-Komitees nicht beantwortet. „Ich bin sicher, er ist glücklich über den Preis“, sagte Spring-steen. Die Kritik, dass ein Musiker den Literaturnobelpreis bekomme, teile er - als Musiker - natürlich nicht, sehe sich selbst aber nicht als weiteren Anwärter auf die Auszeichnung.

Dabei ist Bruce Springsteen einer der großen amerikanischen Geschichtenerzähler. Seine besten Songs sind vertonte Kurzgeschichten über die Menschen am Rande der Gesellschaft. Und nun auch auf über 700 Seiten als Chronist in eigener Sache.

Es ist ein Buch über Doug Springsteen, Bruces Vater, über Depressionen und über Rock‘n‘Roll. Denn für Spring-steen hat der Erfolg eine Schattenseite, die er vom Vater geerbt habe: die Depression. Es ist berührend zu lesen, wie er immer wieder - auch in den erfolgreichsten Jahren seiner Karriere - und oft monatelang unter der Krankheit litt.

Zum Lesen braucht der Weltstar eine Brille, aber sonst deutet nichts darauf hin, dass er 67 Jahre alt ist. Gut gebräunt und topfit wirkend plaudert er im Anschluss noch eine Weile an der Bar mit den Journalisten. Er hat gerade 76 Konzerte mit seiner legendären E-Street-Band hinter sich, manchmal bis über die Vier-Stunden-Marke, und etliche Signierstunden. Und 2017 geht es nach Australien.

Mehr als 40 Jahre nach dem Traum des jungen Bruce Springsteen jammte er übrigens wirklich mit den Stones, jenen Leuten, „die meinen Job erfunden haben“ - mit Mick Jagger gemeinsam. Ersetzen wollte er ihn wohl nicht mehr. Mit seiner Band ist er längst genauso groß geworden wie die Stones. Mindestens.

Von Olaf Dellit

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