Bruce Willis antwortet nicht: Tilman Rammstedt las in Vellmar

Tilman Rammstedt

Vellmar. Als sich der Berliner Schriftsteller Tilman Rammstedt am Montag zur Lesung nach Vellmar aufmachte, wusste er nicht, ob er in die Hauptstadt zurückkehren würde.

„Ich habe immer Angst, dass etwas passiert. Deshalb kaufe ich für den Zug immer nur die Hinfahrten“, sagte der 38-Jährige im evangelischen Kirchenzentrum, wo er auf Einladung des Literaturvereins Ecke und Kreis las.

Rammstedt ist dann doch wieder nach Hause gefahren, aber vielleicht hätte es ihm auch in Vellmar gefallen. Nebenan in Kassel hatte der gebürtige Bielefelder 2005 eine seiner ersten Auszeichnungen erhalten, den Förderpreis für grotesken Humor. Und in einer ganz frühen Kurzgeschichte tauchte sogar eine Gabriele Vellmar auf. Rammstedt hatte sich den Text vor der Reise noch einmal durchgelesen und ihn für „ganz, ganz schlecht“ befunden.

Sehr viel besser ist sein dritter Roman „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“, den der Bachmann-Preisträger in Vellmar vorstellte. Der Inhalt ist nicht ganz leicht wiederzugeben, aber er passt zu jemandem, der keine Tickets für die Rückfahrt kauft. Einerseits geht es um einen Bankberater, der alles im Leben zu verlieren droht. Sehr melancholisch ist das. Andererseits lässt Tilman Rammstedt einen fiktiven Autor namens Tilman Rammstedt Mails an Bruce Willis schreiben. Der Hollywood-Star soll seinen Roman retten, der nicht fertig wird. Das ist total irre.

Die 70 Zuhörer hatten viel zu lachen bei dem Roman übers Schreiben, der die Fiktion mit der Realität überblendet. Der fiktive Rammstedt etwa schickt Willis im Buch seine Handy-Nummer, damit er ihn anrufen möge – vergeblich. Es ist der Mobilanschluss des echten Tilman Rammstedt. Wir haben es ausprobiert.

Tilman Rammstedt: Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters. Dumont, 160 Seiten, 18,99 Euro. Nächster Termin im ev. Kirchenzentrum Vellmar: 24.10. Dennis Scheck.

Von Matthias Lohr

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