Brüder-Grimm-Festival: Befehl zum Rückenkraulen

+
Der gestiefelte Kater (Inga Jamry).

Kassel. Das Musical „Der gestiefelte Kater" auf der Seebühne im Park Schönfeld ist angefüllt mit Popsongs und witzigen Einfällen

Kassel. Über die Menschen kann man sich schon mächtig ärgern. Nie können sie ordentlich zwischen Katze und Kater unterscheiden, und „wenn sie etwas nicht kennen, blöken sie wie Schafe“, sagt die gestiefelte Kratzbürste etwas entnervt. Das Schlitzohr will in die High Society aufsteigen, um näher an den Wursttellern und Geldbeuteln der Herrscher zu sein. Dazu muss der Kater aus seinem Begleiter, dem Müllerssohn Franz, einen Grafen machen. Und dazu muss der erst mal aufhören zu stottern, sobald er die Prinzessin zu Gesicht bekommt.

Witzig, poppig, charmant: Das diesjährige Musical beim Brüder-Grimm-Festival zeigt sich in Topform. Das von Michael Fajgel geschriebene und von Rüdiger Canalis Wandel inszenierte Stück „Der gestiefelte Kater“ ist gespickt mit Gags und liebevollen Einfällen. Die Zotenlastigkeit mancher Jahre ist verschwunden, das Erzähltempo stimmt. Kleinere Kinder werden ebenso angesprochen wie Erwachsene. Die ausverkaufte Premiere auf der Seebühne im Park Schönfeld wurde am Donnerstag mit Ovationen bedacht.

Publikumsliebling Inga Jamry ist ein pfiffiger Kater, der kräftig austeilen kann, es aber auch liebt, wenn ihm auf seinen Befehl hin der Rücken gekrault wird. Als Manipulierer ist das Tier immer wieder erstaunt über die Begriffsstutzigkeit der Menschen. Und träumt von einer schönen Siamkatze.

Daniel Andone und Steffen Laube sind die witzigen Sidekicks des Geschehens. Als Erzähler führen sie durch die Handlung, steigen dazu auch schon mal mitten in einer Schlägerei aus ihren anderen Rollen als Palastwachen aus, erklären etwas und legen sich dann wieder exakt in die vorherige Prügel-Position vor das Schloss (Bühne: Oliver Doerr). Sie beziehen immer wieder das Publikum ein und punkten mit Sprachwitz.

Eine Entdeckung ist Jonas Hein, der als Müllerssohn und Schummel-Graf herrliche Szenen hat, in denen er Verliebtheit und damit einhergehendes Sich-komplett-lächerlichMachen toll ausbalanciert. Sobald der Name der Prinzessin genannt wird, bricht aus ihm der Kool-and-the-Gang-Klassiker „Joanna“ heraus.

Viel Romantik gibt es beim Liebesduett „Kannst du Gedanken lesen“ (nach Gordon Lightfoots „If You Could Read My Mind“) mit der Prinzessin, die Annabelle Mierzwa fröhlich und sehr stark spielt. Claudius Freyer ist ein melancholischer König mit Vorliebe für Geflügel („Es kann so wehtun - ganz ohne Rebhuhn“).

Abwechslungsreiche Tanzszenen von Loreen Fajgel bringen Schwung in den Abend. Bei Hofe fürchten sich alle vor der Zauberin Sebulba. Sobald ihr Name genannt wird, spielt die Technik einen Donner-Jingle. Bis die Erzähler mal dagegen einschreiten. Auch das ein witziges Spiel mit den Erzählebenen. Amanda Whitford hat mit Leuchtschuhen (Kostüme: Riet Hannah Bernard) einen prächtigen Auftritt als stimmgewaltige Magierin und stellt sich mit „I Am What I Am“ und „Abrakadabra“ vor. Überhaupt: Die von Harry Stingl geleitete vierköpfige Liveband spaziert munter durch die Popgenres, fischt bei Country und Rock und lässt den Abend in ein fulminantes, von allen gesungenes und getanztes „Let Me Entertain You“ münden.

Das Musical „Der gestiefelte Kater“ läuft bis zum 21. August auf der Seebühne im Park Schönfeld. Mi, Do, Fr: 19.30 Uhr, Sa und So 16 und 19.30 Uhr. Vorverkauf: Theater im Centrum, Akazienweg 24, 0561-7018722 und online unter www.brueder-grimm-festival.com

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.