Brüder mit vielen Facetten: „Grimm 2013“ mit Diskussion beendet

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Hochkarätig besetztes Podium: Die Grimm-Experten (von links) Steffen Martus, Heiner Boehncke, Moderatorin Christiane Kohl, Holger Ehrhardt und Harm-Peer Zimmermann.

Kassel. Vom Poetry Slam bis zur Theaterproduktion „Schattenwald“: Erlebnisreich war das Festprogramm „Grimm 2013“ anlässlich des 200. Jubiläums der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.

Im Konzertsaal der Uni gab es nun zum Festivalabschluss eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit dem Titel „Die Brüder Grimm zwischen Wissenschaft und Popularität“.

In der breiten Öffentlichkeit gelten Jacob und Wilhelm Grimm vor allem als Märchensammler, dabei waren sie auch hervorragende Wissenschaftler. Ernüchternd stellte Prof. Holger Ehrhardt (Grimm-Stiftungsprofessur Uni Kassel) fest, dass wohl auch in Zukunft große Teile ihres Werkes kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Aber selbst die Märchen haben eine alles andere als einfache Geschichte. Wie Prof. Harm-Peer Zimmermann (Uni Zürich) erinnerte, sei der Erstauflage wegen ihrer grausamen Details kein Erfolg beschieden gewesen. Als „Work-in-Progress“ bezeichnete Prof. Heiner Boehncke (Uni Frankfurt) das Märchen-Projekt. Die sprachliche Überarbeitung, die Boehncke mit der Schleifung eines Rohdiamanten verglich, sei im Wesentlichen Wilhelms Werk gewesen.

Überhaupt die unterschiedlichen Temperamente und die vielen Facetten der beiden Brüder: Der Grimm-Biograf Prof. Steffen Martus (Humboldt-Universität Berlin) nannte sie die „modernsten Traditionalisten ihrer Zeit“ und hob ihr modernes, auf Projektarbeit setzendes wissenschaftliches Ethos hervor.

Kenntnisreich moderiert wurde die Diskussion von Christiane Kohl, der Mitveranstalterin des „Literarischen Frühlings in der Heimat der Brüder Grimm“.

Für den musikalischen Rahmen sorgte der virtuose Volkslied-Verjazzer Edgar Knecht, mithin ein weiterer moderner Traditionalist. Mehr als 150 000 Menschen haben die 230 Veranstaltungen von „Grimm 2013“ besucht, gab Intendantin Maren Matthes bekannt.

Von Georg Pepl

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