Zum Brüllen komisch: Kabarettist Matthias Egersdörfer in Vellmar

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Ganz schön wütend: Kabarettist Matthias Egersdörfer im Bürgerhaus Vellmar-West.

Vellmar. Im Franken-"Tatort" spielt Matthias Egersdörfer den Leiter der Spurensicherung. Nun bewies der Choleriker in Vellmar, dass er der Thomas Bernhard des Kabarett ist.

Künstler wie Matthias Egersdörfer könnten es fertigbringen, dass bald niemand mehr nach Vellmar kommt. Bei seinem Auftritt im Bürgerhaus West beschimpfte der fränkische Kabarettist am Freitag die 200 Zuschauer unter anderem als „Arschlöcher“, die „einfach mal die Fresse halten“ sollten.

Ein „blödes Weibsstück“ im Publikum bezeichnete er auch noch als „furunkelartige Halbkröte“. Er fühlte mit einem jungen Zuschauer, der neben seinem Vater in der ersten Reihe saß und über den die Nachbarn sicher Sätze sagen wie: „Aus dem wird nichts. Schau dir doch den Vater an.“ Und vor der Pause empfahl er einem Besucher, der aussah, als würde er gleich „auf dem Klo eine Linie Koks ziehen“, er solle der „Hexe“ neben ihm etwas abgeben, damit die „nicht nur Pattex im Keller“ schnüffele.

Aber weder die „Halbkröte“ noch der Kokser verließen vorzeitig das volle Bürgerhaus. Im Gegenteil: Sie lachten laut und lang über Egersdörfer, der so etwas wie der Thomas Bernhard des Kabaretts ist - vielleicht nicht so intellektuell wie der österreichische Dramatiker, aber genauso wütend.

In seinem Programm „Vom Ding her“ macht der 45-Jährige, der seit Neuestem im Franken-„Tatort“ den Leiter der Spurensicherung spielt, kein politisches Kabarett. Er trägt auch keine Witze vor, die man nacherzählen könnte.

In breitestem Fränkisch erzählt er absurde Geschichten über seinen vergifteten Morgenkaffee, der ein Abfallprodukt der italienischen Mafia sein könnte. Er gesteht, wie er schon als kleiner Bub im Garten Insekten mit Uhu überschüttet und angezündet hat, um den Sadismus seiner Lehrer zu verarbeiten. Das ist zum Brüllen komisch. Seine Figur ist mal der kleine Mann, mal der hässliche Deutsche und oft ein Spiegelbild von uns allen.

Egersdörfer ist ein Meister der Kunstpause und ein Weltmeister im Brüllen. Gegen seine cholerischen Ausfälle wirkt selbst der „heute show“-Schreihals Gernot Hassknecht wie ein Gute-Laune-Männchen.

Während seines Auftritts im Bürgerhaus wurde übrigens der 20.000. Besucher des Jahres in Vellmar geehrt. So viele waren es noch nie in einer Saison. Die Kabarett-Fans kommen wegen großen Künstlern wie Egersdörfer.

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