In der Kasseler Stadthalle

Brummen, Glanz und eine Orgie: Finale des Kultursommers Nordhessen

Rasant und unangestrengt: Geiger Joshua Bell, Christoph Eschenbach dirigierte das Australian Youth Orchestra. Foto: Zgoll

Kassel. Zuerst hieß es Warten auf Stardirigent Christoph Eschenbach, das Finale des Kultursommers Nordhessen verzögerte sich am Donnerstagabend um vierzig Minuten.

Die aber waren bald vergessen, denn der Abend mit dem Australian Youth Orchestra in der ausverkauften Kasseler Stadthalle wurde zum starken Erlebnis.

Von Beginn an: Wann hört man schon mal ein Didgeridoo in einem klassischen Kontext?

Aus dem Saal kam der beeindruckende Didgeridoo-Spieler William Barton aufs Podium und entlockte dem traditionellen Blasinstrument der Aborigines jenen unvergleichlichen, tief brummenden, vibrierenden Klang. Für Didgeridoo und Orchester hat der australische Komponist Peter Sculthorpe (Jahrgang 1929) sein Werk „Earth Cry“ geschrieben - Musik mit ökologischem Anliegen, teils pathetisch anklagend, teils ein rhythmisches Motiv steigernd.

Weinen der Erde

William Barton, Christoph Eschenbach und das ausgezeichnete Jugendorchester machten das „Weinen der Erde“ zur packenden Aussage, ehe Geigenglanz die Halle erfüllte. US-Geigenstar Joshua Bell war Solist in Tschaikowskys Violinkonzert - und ließ seine Weltklasse hören. Er phrasierte voller Delikatesse, er bezauberte mit seinem lichtvollen, apollinisch klaren Ton. So rasant sportiv seine Interpretation oft war, so unangestrengt wirkte sie.

Für den Jubel des hellauf begeisterten Publikums bedankte sich Bell mit der lieblich-eleganten Tschaikowsky-Melodie op. 42/3. Umso stärker war der Kontrast nach der Pause, denn da gab es klassische Moderne, die selbst Heavy-Metal-Fans vom Hocker reißen würde. Und zwar Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“, eine genau hundert Jahre alte Rhythmus-Orgie, die so raffiniert wie dezibelstark ist.

Von dem auswendig (!) dirigierenden Eschenbach mit präziser Gestik angetrieben, verlieh das Australian Youth Orchestra dem Spitzenwerk Transparenz und aufpeitschende Härte: eine mit Ovationen belohnte Höchstleistung.

Tschaikowskys zugegebene Polonaise aus „Eugen Onegin“ beschloss den tollen Kultursommer.

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