Für grotesken Humor

Brutal komisch: Autorin Karen Duve erhält Kasseler Literaturpreis

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Ausgezeichnete Autoren: Der Wiener Ferdinand Schmalz (links) erhielt den Förderpreis und Karen Duve den Literaturpreis für grotesken Humor der Stadt Kassel und der Stiftung Brückner-Kühne. 

Kassel. „Komik kann Empathie und Mitleid verhindern. Und manches Komische ist gar nicht zum Lachen", sagte Literaturprofessor Dr. Walter Pape am Samstag bei der Verleihung des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor der Stadt und der Stiftung Brückner-Kühne.

Das trifft auch auf die Werke der Autorin Karen Duve zu, die die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung im Rathaus entgegennahm. Vor allem ihr neuestes Buch „Macht“ wurde von der Kritik als „ekelerregend“ und „abartig“ bezeichnet. „Es ist aber auch ein lustiges Buch“, so Duve im Gespräch mit unserer Zeitung. Und das habe auch die Jury erkannt, freute sie sich. Seit 1990 arbeitet sie als Schriftstellerin. Zu ihren bekanntesten Büchern gehören „Dies ist kein Liebeslied“ (2002) und der Roman „Taxi“ (2008), der 2015 verfilmt wurde, sowie „Anständig essen“ (2012). „Macht“ erschien 2016.

Komik und Ekel

In Duves Werken finde man Absurdes, Wunderliches, stets scharf Gezeichnetes und Schrilles, sagte Laudator Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg. Der Leser habe stets viel auszuhalten. „Komik und Ekel gehören bei ihr eng zusammen“, betonte er. Die 55-jährige Autorin habe den Preis für ihre sprachkräftige Erzählkunst erhalten, die das Komische vielseitig und gewagt gestalte, heißt es in der Begründung der Jury. Wie grotesk-komisch ihr Werk ist, bewies Duve, als sie aus zwei ihrer Bücher las.

Schmalz in den Ohren

„Zu viel Grübeln macht Hirnschwanger“, hat Ferdinand Schmalz einmal getwittert. Nun hoffe er auf dessen Hirnkinder, sagte der Stiftungsratsvorsitzende Pape, dem zweiten Preisträger. Denn der Förderpreis Komische Literatur in Höhe von 3.000 Euro erhielt der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz (32). Seine Bühnenstücke vermischten das Derbe des Volkstheaters und die Feinheit der Poesie in einer melodiösen Kunstsprache, urteilte die Jury.

Schonkost sei nicht die Sache von Schmalz. „Bei ihm bekommt man Verdautes als köstliche Delikatesse gereicht“, so Laudatorin Bettina Walter vom Verlag S. Fischer. „Der Schmalz dringt uns in die Ohren“, sagte sie. Der so Geehrte bedankte sich und wünschte sich mehr klugen Humor.

Der Preis

Geschichte: Der Kasseler Litera-turpreis für grotesken Humor wurde 1985 vom Kasseler Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner gestiftet. Vergeben wird die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel jährlich an Schriftsteller, „deren Werk von Komik und Groteske auf hohem künstlerischen Niveau geprägt ist“.

Erster Preisträger: Loriot (1985)

Würdigung: Würde sich die Stadt Kassel eine Platinnadel für Verdienste leisten können, Dr. Friedrich W. Block, der geschäftsführende Kurator der Stiftung Brückner-Kühner, erhielte sie, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Denn seit 25 Jahren sei er für die Stiftung tätig und habe diese immer weiterentwickelt.

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