Trends, Inhalte und Optik der Buch-Blogger

Ein Preis für Influencer der Bücherwelt: Buch-Blogger werden auf der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet

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Buchladen aus New York: Strandbookstore

Sie sind die Influencer der Bücherwelt: Auf Blogs und Instagram sind Bücherfans aktiv. Auf der Frankfurter Buchmesse sind sie nicht nur mit einer eigenen Auszeichnung präsent. 

Fast so viel Freude wie das Lesen selbst macht es, sich über Bücher auszutauschen. Blogger sind eine neue Stimme in der Buchwelt, auf der Buchmesse kommen sie prominent vor – nicht nur mit einer eigenen Auszeichnung. Was könnte man mal lesen? Wer gerade keinen Buchhändler mit einer Empfehlung da hat und wem die Bewertungen bei Verkaufsportalen wie Amazon zu wenig vertrauenswürdig sind, könnte sich bei Buchbloggern umsehen. Auf eigenen Webseiten und auf Instagram unter dem Hashtag #bookstagram hat sich eine vielfältige Szene von Bücherfans entwickelt, die über alles schreiben, was sie gelesen haben und lesen wollen.

Viele Blogs sind spartenorientiert, wenn jemand also nicht ohne Werwölfe kann, auf romantische Lektüre für junge Erwachsene steht oder sich für Sachbuchtrends interessiert, wird Blogger finden, die dieses Marktsegment im Blick haben.

Zeigt Gesicht: Bloggerin Laura, die als Zeilenverliebt auf Instagram unterwegs ist, bildet sich gern selbst ab.

Buch-Blogger: Trends

Tina Lurz, die als Mitinhaberin der Münchner Agentur Ehrlich & Anders Verlage in Sachen Social Media berät, stellt ganz klar fest: „Lesen wird zum angesagten Hobby.“ Lesen wird gefeiert: Das ist bei Bloggern und Instagrammern gleich. Das Bereichernde, Ablenkende oder Aufwühlende einer Buchlektüre wird ins Gespräch gebracht. Und es wird empfohlen. Blogger nehmen sich Raum, Buchbetrachtungen zu schreiben, Instagrammer suchen vor allem nach der perfekten Bebilderung, die die Stimmung eines Buches oder die Stimmung, die beim Lesen da war, einfangen.

Tina LurzSocial-Media-Expertin

Buch-Blogger: Inhalte

Auf den Web-Kanälen geht es um Meinungen zu einem Buch und um das Gefühl, das beim Lesen entstand. „Mein Hauptaugenmerk liegt darauf, wie eine Geschichte emotional bei mir ankommt“, schreibt etwa die Bloggerin Tintenhain. Kritiker sehen hier einen Schwachpunkt: Debatten können verarmen, wenn es nur noch um diese rein subjektiven Kriterien geht. Hier unterscheiden sich viele Blogbeiträge von klassischen Rezensionen, die analysieren, wie ein Roman gemacht ist, mit welchen konstruktiven und sprachlichen Mitteln ein Autor welche Wirkung erzielt.

Unter den Nominierten als bester Buchhandelsblog: Ocelot in Berlin.

Buchblogs sind ein weiteres Themenfeld, bei dem sich zeigt, dass digitale Plattformen das althergebrachte Expertentum um neue Stimmen und neue Zugänge zu einer altbekannten Form des künstlerischen Ausdrucks erweitern.

Eine zusätzliche Auffälligkeit von Buchblogs: Hier werden auch Bücher vorgestellt, die unter dem Radar der klassischen Kritik liegen, die nicht in den klassischen Großverlagen oder Bestsellerlisten vorkommen. Das Angebot der Buchbetrachtungen insgesamt diversifiziert sich.

Buch-Blogger: Optik

Das Buch wird präsentiert als begehrtes Objekt. Bookstagrammer, also Menschen, die sich auf dem Foto-Kanal Instagram mit Büchern beschäftigen, forschen nach der bestmöglichen Wirkung von Büchern als Bildobjekt und als Lifestyle-Accessoire. Es gibt Fotoseiten, bei denen Bücher zum Gesamtkunstwerk gestaltet werden wie auf einer Bühne.

Oder es werden optisch Welten geschaffen, die zum Buchinhalt passen: Fabeltiere, gruselig-verlassene Straßenszenen, so etwas.

Mit Popcorn: Bildimpression aus dem Blog von Bookbroker.

Vor allem aber werden täglich hunderte Fotos gepostet, bei denen Bücher und Teetassen in möglichst idealem Winkel zueinander platziert werden – es gibt jede Menge Tipps, wie Kuscheldecken, Keksteller und Bücher arrangiert werden sollen. Warum? „Besonders schöne Bücher werden natürlich auch besonders gern gezeigt. Die Liebe zur bibliophilen Ausstattung und zum gedruckten Buch verdeutlicht, dass das physische Buch kein veraltetes Objekt, sondern als Kulturgut ein fester Bestandteil der Gesellschaft ist - und das online wie offline“, sagt Blog-Expertin Lurz.

Buch-Blogger: Wechselwirkungen

Buchblogger entwickeln sich zu Medienpersönlichkeiten, erhalten aber noch nicht ganz die Popularität von Influencern, die in Sachen Mode und Kosmetik unterwegs sind. Dennoch gibt es Wechselwirkungen aus der Bloggersphäre in die echte Welt – etwa, wenn Buchhandlungen eigene Präsentationsflächen für Empfehlungen von Bloggern bereithalten oder wenn bekannte Blogger von Verlagen engagiert werden, Buchumschläge zu gestalten.

Tina Lurz: „Für Blogger ist es natürlich ein Highlight, in der Lieblingsbuchhandlung eigene Buchempfehlungen platzieren zu dürfen. Die Buchhandlung wiederum profitiert über die Berichterstattung auf dem Blog von dessen Reichweite.“

Lesestapel: Foto von BooksterHR O.

Auch Verlage, ergänzt sie, reagieren, sie entwickeln etwa eigene Kampagnen, die den Fotoliebhabern viel Augenfutter für ihre Bildprojekte bieten – Bücher werden also teilweise bereits so gestaltet, dass sie in den sozialen Medien gut aussehen. „Verlage sehen natürlich, wie aktiv diese Accounts auch in Deutschland sind und welchen Mehrwert sie dem Medium Buch bieten.“ 

Auf der Buchmesse werden am 18. Oktober auf Basis von Lesernominierungen die besten Buchblogs prämiert. Wer in die Bloggerszene hineinschnuppern oder Neues entdecken möchte, könnte einen Blick auf die Finalisten werfen, die für diesen Preis im Rennen sind. Nominiert sind unter 650 Buchblogs unter anderem der Instagram-Account von Bookbroker. Auch die Internetseite von Booksterhro sowie die Blogs von mit-büchern-um-die-welt und nachtundtag gehören zu den Nominierten.

Ebenfalls eine Chance auf den Preis haben der Blog von kaffeehaussitzer und die Rezensionsseite von recensio-online, sowie die Instagram-Accounts von literaturpalast, stories.offiziell, ohwieschönistbuchgerede und die Facebook-Seite von rundumsbuch

Ferner gibt es Nominierte in der Kategorie Newcomer sowie für Verlage und Buchhandlungen. Mehr Informationen unterbuchblog-award

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