Umfrage

Buchmesse Frankfurt: Von Politikern bis zur Lottofee - Was Hessens Promis lesen

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Volker Bouffier liest zurzeit ein Buch von Stephen Hawking, am liebsten aber Biographien

Kurz vorm Start der Buchmesse in Frankfurt berichten prominente Hessen, was sie am liebsten lesen.

Frankfurt am Main - Was lesen Prominente aus Hessen am liebsten? Welche Entdeckungen haben sie gemacht und welche Tipps geben sie für den nächsten Einkauf? In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zur Frankfurter Buchmesse (16. bis 20. Oktober) geben einige Promis Literatur-Empfehlungen und verraten auch, wo sie ihre Schmöker am kaufen. Im Laden beim Buchhändler oder lieber online?

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (67/CDU) liest derzeit: „Kurze Antworten auf große Fragen“ von Stephen Hawking. „Toller Autor, gut zu lesen, regt zum Weiterdenken an“, sagt der Landesvater über den an den Rollstuhl gefesselten Astrophysiker, der im vergangenen Jahr starb. Bouffiers Lieblingsbücher enthalten vor allem Bilder: „Selbstgemachte Fotobücher der Kinder.“ Bouffier liest nach eigenen Angaben „querbeet, aber besonders Biografien“. Die Frage - Bücher beim Händler im Laden oder online kaufen? - stellt sich für ihn nicht. „Die meisten Bücher bekomme ich geschenkt.“

Angela Dorn liest Bücher über Feminismus

Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (37/Grüne), verrät: „Für den Herbsturlaub habe ich mir das Buch “Sheroes - neue Heldinnen braucht das Land„ eingepackt. Es wurde mir als spannenden Ansatz nach der #Metoo-Debatte empfohlen.“ Die Autorin Jagoda Marinic fordert mehr Wucht für die Feminismusdebatte und sieht eine historische Chance, die Männer in der Gleichstellungsdebatte mit ins Boot zu holen, wie Dorn sagte. „Die Debatte um #metoo und die Gestaltung der Gleichstellung in allen Bereichen ist ein Thema, das mich persönlich und politisch bewegt.“

Für die dreifache Mutter Dorn dreht es sich in ihrer Freizeit daheim in Büchern nicht um Gesellschaft und Politik: „Mit drei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter nehmen in meinem Leben den größten Platz aktuell Kinderbücher ein. Das erlebe ich aber als großen Genuss. Außerdem mag ich Romane, Graphic Novels, Gedichte und Kurzgeschichten. Gar nichts anfangen kann ich mit sehr technischen Büchern.“ Ihre Bücher kauft sie meistens beim Buchhändler vor Ort.

Franziska Reichenbacher schwört auf Zwiegespräche mit Insekten

Lotto-Fee und Moderatorin Franziska Reichenbacher (51) ist begeistert von einem Buch, dass ihr in die Hände fiel: „Das offenbare Geheimnis. Aus dem Lebenswerk des Insektenforschers“ Jean-Henri Fabre, der vor rund 125 Jahren mit seinen stilistisch überragenden Naturbeobachtungen und seinen Zwiegesprächen mit Insekten Literatur geschaffen hat." Sich in so eine - für sie völlig fremde - Sichtweise hinein zu versetzen, sei ein besonderes Lesevergnügen. Auch weit oben auf ihrem Bücherstapel liegt: „Die Kunst des digitalen Lebens“ von Rolf Dobelli. „Ein radikaler Ansatz, wie man mit der Fülle an Informationen und Nachrichten umgehen könnte.“

Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer (55) kann das Buch „Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead empfehlen. „Es geht darum, wie Zufälle deine Lebensträume zerstören können. Ein Buch über tief verwurzelten Rassismus, Gewalt und ungesühnte Verbrechen. Und das Ganze spielt sich Anfang der 1960er Jahre in Florida ab“, skizziert Schäfer. Ihr Lieblingsschmöker heißt „Durch die Nacht“ von Stig Saeterbakken. „Ein Buch über den Tod, den Zerfall einer Ehe und das Unsagbare“, erklärt Schäfer, die hingegen mit Science Fiction als Genre nichts anfangen kann. Ihre Bücher kauft sie am liebsten bei Buchhändlern.

Volker Jung schmökert in Europas Geschichte

Volker Jung (59), Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), empfiehlt von Jürgen Osterhammel „Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts“. „Das ist ein sehr dickes, aber ganz herausragendes Buch. Es ist nicht auf die europäische Geschichte im 19. Jahrhundert beschränkt, sondern hat eine globalhistorische Perspektive“. Ein besonderer Lesegenuss sei für ihn auch „Léon und Louise“, ein 2011 erschienener Roman des Schweizer Schriftstellers Alex Capus.

Für den ehemaligen Eiskunstlauf-Star Marika Kilius (76) ist Unterhaltung und Information wichtig. "Ich lese gern Bücher, bei denen ich mich amüsieren kann." Krimis mag sie gar nicht. „Die schaue ich nur im Fernsehen.“ Aber Sachbücher stehen bei ihr auch hoch im Kurs. Gerade liest sie „Zukunftsblind“, ein Buch des Technologie-Investors und Volkswirts Benedikt Herles. Kilius sagte während der Lektüre: „Ich habe den Eindruck, wir verlieren in Deutschland wirtschaftlich den Anschluss und die Kontrolle über die Zukunft. Es geht nicht richtig voran. Da ist kein Esprit. Und große Trends werden verpennt.“

TV-Moderator Holger Weinert (67) empfiehlt: „Zwei Handvoll Leben“ von Katharina Fuchs. „Sie beschreibt die Leben ihrer beiden Großmütter, Jahrgang 1899. Das erinnerte mich an meine Großeltern, die zwei Weltkriege und die schreckliche erste Hälfte des 20. Jahrhunderts durchstehen mussten. Wir wissen gar nicht, wie gut wir es haben“, sagt Weinert. Sein Lieblingsbuch heißt: „Scheintod“ von Eva Demski. Zur Handlung sagt er: „Zeitgeschichte nach 1968. Irrungen und Wirrungen unter Männern, Verwirrungen von Frauen. Bisexualität ist eine zahlenmäßig äußerst unterschätzte Daseinsform.“ Spannend findet er auch ehrlich aufgeschriebene Autobiografien wie „Mein Leben“ von Marcel Reich-Ranicki. Bücher kauft Weinert nur im Laden. „Niemals bei Amazon. Das wäre ein Verbrechen an Buchhändlern und Mitarbeitern.“ (dpa)

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