Büchner-Preis 2012 geht an Felicitas Hoppe

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Erschreibt sich ihren eigenen fantasievollen Kosmos: Felicitas Hoppe, die den Georg-Büchner-Preis bekommt.

Zum ersten Mal seit 2005 - damals war Brigitte Kronauer an der Reihe - erhält eine Frau die herausragende Auszeichnung für deutschsprachige Literatur: Felicitas Hoppe (51) bekommt am 27. Oktober in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis. Das gab die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gestern bekannt, die die mit 50.000 Euro dotierte Ehrung vergibt.

Die Schriftstellerin, die am 22. Dezember 1960 in Hameln geboren wurde und in Berlin-Mitte lebt, reiht sich damit ein in die Phalanx bedeutender Literaten von Gottfried Benn (1951) über Max Frisch (1958) und Heinrich Böll (1967) bis zuletzt zu F.C. Delius (2011).

Schon als Hoppe 2007 in Bad Gandersheim mit dem Roswithapreis ausgezeichnet wurde, würdigte die Jury die „Ausblendung jeder schlichten Realität“ in ihren Erzählungen und Romanen. Ähnlich die Büchnerpreis-Jury: Ob im Reisebuch „Pigafetta“, 1999 nach einer Weltreise auf einem Frachtschiff erschienen, in der modernen Legende von der heiligen „Johanna“ (2006) oder im Kinderbuch mit der Neuerzählung des Ritterromans „Iwein Löwenritter“ von 2008 - ihre Bücher unterliefen „virtuos die Grenzen von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel“.

Hoppe habe „die Welt der Abenteurer und der Hochstapler, der Entdecker und Taugenichtse erkundet“. Sie frage in lakonischer, lyrischer und uneitler Prosa nach Möglichkeiten der Ich-Werdung, nach den Wundern und Verstrickungen der Sehnsucht und lasse unaufdringlich metaphysische Horizonte aufscheinen.

Hoppe hat in Hildesheim, Tübingen, Eugene/Oregon (USA), Berlin und Rom Literaturwissenschaften, Rhetorik, Religionswissenschaften, Italienisch und Russisch studiert, als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache gearbeitet und inzwischen selbst Gastprofessuren - etwa in Göttingen und Hamburg - übernommen. In dem in diesem Jahre erschienenen Buch „Hoppe“ jedoch hat sie sich - mit der ihr laut Jury eigenen „freien und befreienden Fantasie“ - eine vollends fiktive, wild ausufernde Biografie erschrieben - mitsamt einer Kindheit in der Familie des späteren Eishockeystars Wayne Gretzky in der kanadischen Provinz und einer Pubertät in der südaustralischen Wüste. Viele Kritiker sahen in „Hoppe“ einen verschrobenen, höchst unterhaltsamen Privatkosmos, einen Kontinent von Wünschen, Träumen und Obsessionen.

Diese „Biografie über Felicitas Hoppe“, wie es die 51-Jährige im Interview formulierte, sei, „unter uns gesagt, längst überfällig“ gewesen, fügte sie selbstbewusst hinzu. Den Büchner-Preis, von dem sie sich „absolut überrascht und überwältigt“ zeigte, empfindet sie aber nun auch als Last: „Ich muss mich doch sehr mit dem Gedanken anfreunden.“ Übers Preisgeld habe sie sich noch keine Gedanken gemacht. Ihr Traum sei eine Villa am Genfer See, „aber dafür reicht’s dann doch nicht.“(mit dpa/dapd)

Von Mark-Christian von Busse

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