Bühnen vor dem Aus

Bad Hersfelds Festspiel-Intendant Holk Freytag (66) über Proteste am Welttheatertag

Am 27. März ist Welttheatertag. Künstler von über 50 Theatern - auch aus Kassel und Göttingen - wollen am Samstag in Wuppertal gegen die drohende Schließung von Bühnen protestieren. Aufgerufen dazu hat die Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins. Mit ihrem Vorsitzenden Holk Freytag, dem Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele, sprach Kai A. Struthoff.

Ist Samstag für Sie ein freudiger oder ein trauriger Tag?

Holk Freytag: Ein kämpferischer Tag. Wir wollen Kräfte mobilisieren, um gegen einen Niedergang des deutschen Theatersystems zu kämpfen. Ich habe eine solche Demonstration, wie sie für Wuppertal geplant ist, noch nie erlebt.

Wie ernst ist die Lage?

Freytag: Sehr ernst! Ob wir eine Chance haben, das Schauspiel dort zu retten, weiß ich nicht - aber ich bin optimistisch. Doch viele Theater stehen wegen Einsparungen vor dem Aus: Dessau, Oberhausen, Essen, Dortmund, Hagen, Neustrelitz, Neubrandenburg. Das geht quer durch die Republik.

Überall muss gespart werden. Ist es vertretbar, Subventionen für Theater zu fordern?

Freytag: Das Theater wurde immer zwangssubventioniert. Das begann vor 2500 Jahren in Griechenland. Schließungen sind tiefe Einschnitte in die Infrastruktur einer Kommune. Wo ein Schauspiel geschlossen wird, schneidet man junge Menschen von der Fortschreibung unserer dramatischen Kultur ab. Die Theaterlandschaft ist auch dafür da, unsere Kultur und damit unser Selbstwertgefühl weiter zu transportieren. Theater ist das einzige Medium, bei dem man auf dem Markt Böcke aufstellen kann, ein Brett drüberlegt, sich draufstellt und sagt: Ich bin Hamlet - und alle glauben das. Das schafft Fernsehen nicht.

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